15. April: Die Botschaft des Kreuzes


Im monastischen Stundengebet erklingt in den ersten Tagen der Karwoche in den Laudes der folgende Hymnus:

Heilig Kreuz, du Baum der Treue,
edler Baum, dem keiner gleich,
keiner so an Laub und Blüte,
keiner so an Früchten reich:
Süßes Holz, o süße Nägel,
welche süße Last an euch.

Beuge, hoher Baum, die Zweige,
werde weich an Stamm und Ast,
denn dein hartes Holz muss tragen
eine königliche Last,
gib den Gliedern deines Schöpfers
an dem Stamme linde Rast.

Du allein warst wert, zu tragen
aller Sünden Lösegeld,
du, die Planke, die uns rettet
aus dem Schiffbruch dieser Welt.
Du, gesalbt vom Blut des Lammes,
Pfosten, der den Tod abhält.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott, dem höchsten Herrn, geweiht.
Preis dem Vater und dem Sohne
und dem Geist der Heiligkeit.
Einen Gott in drei Personen
lobe alle Welt und Zeit. Amen.

Das Vokabular verwundert an vielen Stellen. Da werden das Holz des Kreuzes und die Nägel als süß
bezeichnet – dabei sind das Werkzeuge der Qual und des Todes. Vieles klingt verwirrend. Die Verse sind für
mich nur verständlich, weil ich den Ausgang der Geschichte kenne. Und vieles kann ich nur aushalten, weil ich
weiß, dass am Ende der Woche Ostern ist. Der Text ist ein Versuch, das Geschehen der Kartage in Worte zu
fassen und gleichzeitig die damit verbundene Botschaft zu bezeugen – die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod.

Tobias Kanngießer, Köln


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Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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