31. März: Karsamstag


„Heute gedenken wir der Grabesruhe des Herrn.“ So stand es in meiner Kindheit jährlich am Karsamstag im Pfarrblatt. Dieser Satz ist mir in Erinnerung gekommen als im letzten Jahr mein Vater gestorben ist. Er ist der erste wirklich nahe Angehörige, dessen Krankheit und Tod ich emotional so nah und eng miterlebt habe. Seine letzten Tage und die Tage zwischen Tod und Beerdigung waren geprägt von vielerlei Beschäftigung: Fahrten zur Familie, ins Krankenhaus, Telefonieren mit den Geschwistern, Verwandten, Freunden, Termine beim Bestatter, beim Pfarrer, beim Kranzbinder … Nach der Beisetzung kehrte Ruhe ein. Grabesruhe. Nichts war mehr zu Organisieren. Stille – keiner war mehr anzurufen. Mit jenem Moment wurde mir die unausweichliche Konsequenz seines Todes bewusst.

Am heutigen Karsamstag können wir in aller Ruhe die Ereignisse der letzten Tage des Lebens Jesu bedenken: feierlicher Einzug in Jerusalem, letztes Abendmahl, das Geschehen im Garten Getsemanie, den Leidensweg und schließlich der Tod am Kreuz mit seiner unausweichlichen Konsequenz. Heute feiert die Kirche keine Eucharistie. In der klösterlichen Liturgie werden die recht unprätentiösen Trauermetten wie an den übrigen Kartagen gefeiert. Überall Ruhe, Stille, Verlassenheit, Trauer.

Das Wissen um den Ausgang der Geschichte Jesu wird mich heute durch den Tag tragen. So, wie mich die Hoffnung auf Auferstehung durch die Ruhe nach der Beerdigung meines Vaters getragen hat.


(Dr. Tobias Kanngießer, Köln)


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Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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