26. März: Auf Leben und Tod


Nun ist sie wieder da, die Heilige Woche, die auch Karwoche genannt wird. Seit Aschermittwoch, dem Beginn der österlichen Bußzeit, lief alles auf das liturgische Geschehen dieser Woche zu. Das Kirchenjahr erreicht nun mit der Feier des Triduums von Gründonnerstag, Karfreitag/Karsamstag und Ostern seine Mitte und seinen Höhepunkt.

Wir sind eingeladen, einzeln und in Gemeinschaft mit anderen den Weg Jesu mitzugehen, der durch Leiden und Kreuz zur Auferstehung führt. Es wird für uns hilfreich sein, dass wir uns am Text der Passionsgeschichte aus einem der vier Evangelien orientieren. Wir werden bald spüren, dass wir nicht unbeteiligte Zuschauer am Wegesrand bleiben können. Wir werden erkennen, dass wir mal die Rolle des Täters und mal die Rolle des Opfers spielen. Ja, wir kommen in den handelnden Personen vor. Wir werden uns entscheiden müssen, auf welcher Seite wir stehen. Neutralität kann und darf es nicht geben angesichts des dramatischen Duells zwischen Liebe und Hass, Leben und Tod.

Im Glauben an den auferstandenen Herrn sind wir überzeugt von dem endgültigen Sieg des Lebens über den Tod. Und doch sind wir weiterhin den Mächten des Todes ausgesetzt. Wer hilft uns heute zu siegen und Leben vor dem Untergang zu bewahren? Es ist der Glaube, der in der Liebe wirksam wird. So schreibt der Apostel Johannes in seinem ersten Brief: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod“ (1 Joh 3,14).

Über diesen Tagen des Leidens und Sterbens Jesu stehen die Worte: „Für Euch und zu Eurem Heil!“ Deshalb geht Jesus seinen Weg bis zum bitteren Ende. Seine Hingabe an Gott und an uns gipfelt in seinem Tod am Kreuz als der einmaligen und unüberbietbaren Form seiner Hingabe und Liebe. Das Geheimnis von Leben und Sterben Jesu ist am Beispiel des Weizenkorns ablesbar: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Ja, im Tod ist das Leben!

Im Blick auf Jesus Christus wagen wir zu beten: „Gott, unser Vater! Dein Sohn Jesus Christus ist das Weizenkorn, das für uns starb. Wir leben aus seinem Tod. Nimm von uns die Angst, für andere verbraucht zu werden. Hilf uns, einander Gutes zu tun und in der Liebe zu dir und den Menschen reiche Frucht zu bringen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.“


(Alois Schröder, Paderborn, ehemaliger Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland)


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Inhaber und Herausgeber: Kolpingwerk im Erzbistum Köln e. V., Präses-Richter-Platz 1a, 51065 Köln
Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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