18. März: Die Welt hegen und pflegen


„Macht Euch die Erde untertan …“ (Gen 1,28) – ein Satz, der Geschichte geschrieben hat. In den ersten Zeilen der Bibel wird er Gott in den Mund gelegt. Oft wurde dieser Satz missbraucht, um grenzenlose Ausbeutung der Welt zu rechtfertigen – oft auch, um dem biblisch-christlichen Bekenntnis eine letztlich zerstörerische Grundlinie zu unterstellen. Sicher ist, dass dies leider immer wieder auch ein berechtigter Vorwurf war – aber: Den Kern des eigentlichen Grund-Gedankens verfehlt das zutiefst.

In der altorientalisch-biblischen Idee heißt das „Herrschen“ nicht das egoistisch Unterdrücken anderer, sondern meint das sorgsam Hegen und Pflegen. Den ehemals mystisch besetzten und den Menschen allzu oft Angst einjagenden Gestirne wurde ihre Macht genommen; der Mensch ist nicht mehr haltlos dem Wirrspiel der Gestirne und Mächte ausgesetzt, sondern soll das Leben und die Welt in die Hand nehmen – zum Wohl der Welt!

„Seit fruchtbar und vermehret Euch, gestaltet die Welt, bringt sie zur Fülle – Euch ist sie anvertraut, sodass Ihr aus ihr Großes macht“ – so der Schöpfungsauftrag Gottes. Mehr noch: Gott setzt den Menschen als „Abbild“ ein. Altorientalische Herrscher stellten als Zeichen ihres Machtbereiches Abbilder in ihrem Reich auf: Der Mensch soll die Herrschaft Gottes in der Welt spürbar machen. Mehr noch: Der Mensch wird zum Mitschöpfer! In biblischer Idee ist die Welt nicht fertig und abgeschlossen, sondern wird laufend entwickelt und neu zum Erblühen gebracht – und der Mensch hat den Auftrag, dies im Sinne Gottes weiter zu gestalten.

… schöne biblische Grundgedanken, die aber leider in großer Diskrepanz zur erlebten Wirklichkeit stehen. In vielen Bereichen ist durch die Jahrhunderte das Bewusstsein verloren gegangen, in das lebendige Werden der Welt eingebunden zu sein. Das „Herrschen“ wurde oft zum Leben auf Kosten anderer pervertiert, die große Verantwortung der kreativen Mitgestaltung und Entwicklung zum egoistischen Ausbeuten umgedeutet.

Die Ökologische Bewegung vergangener Jahrzehnte hat uns Christ/inn/en da wieder an unseren Grundauftrag erinnert – wie so oft in der Geschichte braucht es den Impuls von außen, damit wir wieder zu dem finden, was uns eigentlich in die Wiege gelegt wäre. Aber das wird schon biblisch immer wieder erzählt, dass erst die Außeneinflüsse das Volk Gottes auf den eigentlichen Weg führen.

Ich bin dankbar für viele Menschen meiner Umgebung und unseres Landes, die hier vorbildlich in einem Schöpfungsbewusstsein vorausgehen, wo ich eigentlich genuin Christliches sehen und lernen kann. Ich freue mich, dass viele Vollzüge nachhaltigen Umgehens in den meisten Bereichen der Kirche große Plausibilität bekommen, oft auch zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Und ich denke, dass unser gegenwärtiger Papst hier zu recht auch weltpolitisch massiv die höchst dringlichen Dinge einmahnt. Aber: Wir haben hier noch viel zu tun – nicht als Orchideen-Thema, das auch ganz gut wäre, sondern in Umsetzung des zentralen Lebensauftrages Gottes!

Besser spät, die richtigen Wege einzuschlagen als konsequent in die falsche Richtung zu gehen …


(Mag. Gerald Gump, Wien)


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Inhaber und Herausgeber: Kolpingwerk im Erzbistum Köln e. V., Präses-Richter-Platz 1a, 51065 Köln
Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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