13. März: „Fleisch und Knochen“


Im Gymnasium hat mich das Gerippe im „Biologiekammerl“ ganz besonders beeindruckt – außer im Zeichentrickfilm hatte ich bis dahin mit diesem menschlichen „Grund-Gerüst“ nicht viel zu tun gehabt. Wir lernten Vielfältiges über den Halt, den der menschliche Körper darin findet, über darauf aufsitzende Muskeln und sonstig Anatomisches. Interessant habe ich so ein Gerippe immer gefunden – und äußerst zweckmäßig, wenn auch nicht gerade „schön“ im landläufigen Sinne.

Nicht nur einzelne Menschen, auch Organisationen brauchen eine Art Gerippe, auf dem das „Fleisch“ des Wirkens aufsitzt und das dem ganzen Organismus Kraft und Halt gibt; insbesondere gilt das für weltweit agierende Verbände wie das Kolpingwerk. Jegliche Entwicklungshilfe braucht die dahinter stehende Administration – ohne diese scheitert nicht nur die Umsetzung schon im Keim, sondern fehlt es auch an Transparenz.

Eine Herausforderung ist freilich die Finanzierung dieser Strukturen. Für „arme Kinder in Afrika“ lässt sich leichter Spenden sammeln als für Dinge wie „Organisation“ oder „Büromaterial“. Und doch braucht es sowohl in der Kolping-Gemeinschaft wie auch im Ganzen unserer Kirche Strukturen und Formen, die dem konkreten Agieren und alltäglichem Leben Raum und Halt geben, die es tragen und überhaupt erst möglich machen.

Das Kolpingwerk kann die Chancen seiner weltweiten Gemeinschaft gut nützen. Es gibt gut angelegte und durchdachte Strukturen, die den Boden für das Leben der einzelnen Kolpingsfamilien und die Sozialprojekte bilden; um so im größeren Miteinander gesellschaftlich wirksam werden zu können. Und das passt sehr zum Kern meines Glaubens als Christ, in dessen Mittelpunkt der zur Welt gekommene Gott steht, nicht ein Gott, der sich aus den bodenständigen Notwendigkeiten oder vom Lebensalltag in geistliche Sphären zurückzieht – nein, genau im Gegenteil!

Natürlich dürfen Organisation und Administration nicht zum Selbstzweck werden, als Bürokratie überborden oder dominieren – aber genau so wäre ein Wegdiskutieren an der Wirklichkeit des Lebens vorbei. Auch, wenn so ein „Knochengerüst“ selten vor Schönheit strahlt und schimmert: Ich bin froh, dass ich es habe!



(Mag. Gerald Gump, Wien, Bundespräses Kolpingwerk Österreich)


IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Kolpingwerk im Erzbistum Köln e. V., Präses-Richter-Platz 1a, 51065 Köln
Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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