7. März: Kauen und genießen


Was würdest Du einem geliebten Menschen als Erinnerungszeichen hinterlassen, wenn’s um einen „Abschied auf Zeit“ geht? Ein Foto? Einen Gegenstand mit „gemeinsamer Geschichte“? Einen Liebesbrief? Was hält die Erinnerung am besten präsent?

Es war schon eine geniale Idee, dass Jesus als Erinnerungsstück zwei Lebensmittel wählt, die ihn präsent machen: Brot und Wein: „Nehmt und esst“ (eigentlich: „kaut“) – „Nehmt und trinkt/genießt!“

Brot – alltägliche Ernährung und wohl DAS Grundnahrungsmittel; Wein – Zeichen des Feierns und Genießens. Im Alltag ist er da, im Fest kommt er so richtig zum Klingen – noch dazu vor dem Hintergrund, dass Jesus das meiste seiner Botschaft im Rahmen von gemeinsamem Essen erzählt und das Bild eines „Mahl-Haltens“ sein wohl am meisten verwendetes war.

Zum einen erinnern Brot und Wein, dass wir Menschen mehr als materielle Nahrung brauchen – wir brauchen auch „Nahrung für die Seele“. Zum anderen zeigen sie aber auch, dass sich das eine vom anderen nicht lösen lässt: Gerade durch das Aufladen dieser einfachen Zeichen ist uns Christ/inn/en die Sorge um die materielle Nahrung für diese Welt in die Wiege gelegt, der verantwortungsvolle Umgang damit und die genussvolle Kultur durch gemeinsames Essen entstehende Gemeinschaft: „Unser tägliches Brot gib uns heute …“, nicht meines! Die klaren Worte Jesu zu Gerechtigkeit und Liebe sind bekannt; und feiern, das konnte er – in einer Lebensfröhlichkeit, dass ihn seine Gegner als „Fresser und Säufer“ (Lk 7,34) bezeichneten.

Auch gefällt mir die Ausgewogenheit: Brot erinnert die „geist(l)ichen Abheber“ daran, dass alles wortgewaltige Reden und jeglich frömmelnde Getue pervertiert werden, wenn menschliche Grundbedürfnisse übergangen werden: Sorge um das „Brot für alle“, um die verantwortungsvolle Kultur der Herstellung und den guten Umgang damit sind durch nichts zu dispensieren. Zum anderen erinnert der Wein (eben genau nicht Wasser), dass zum Mensch-Sein zentral mehr gehört, als materielles Grundauskommen.

Dieses untrennbare Miteinander hat Adolph Kolping ganz besonders durch sein Wort und Wirken unterstrichen. Er wusste um die Bedeutung, echt Hand anzulegen: „Tätige Liebe heilt alle Wunden. Bloße Worte mehren nur den Schmerz.“ Und dass ihm Gerechtigkeit und menschenwürdiges Leben zentrale Anliegen seines Wirkens waren, ist bekannt. Zugleich meint Kolping: „Ohne Freude, ohne Erheiterung kann das Menschenherz nicht sein, am wenigsten in der Jugend.“

Brot und Wein: Alltag und Freude: Schön, dass sie mit alle dem, woran sie erinnern, im Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens stehen und den spürbar machen, der in Alltag und Fest unser Leben begleitet!


(Mag. Gerald Gump, Wien, Kolping-Bundespräses Österreich)


IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Kolpingwerk im Erzbistum Köln e. V., Präses-Richter-Platz 1a, 51065 Köln
Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


Sie erhalten diese E-Mail, weil Ihre E-Mail-Adresse auf der Seite www.fastenkalender.or.at eingetragen wurde. Sollten Sie sich abmelden wollen, so schicken Sie bitte diese E-Mail mit dem Betreff "Abmeldung" zurück.