4. März: Wasser der Taufe


… das ist natürlich die erste Assoziation, wenn ich als professioneller Kirchen-Engagierter etwas von „Wasser“ höre. Und diese „Wasser der Taufe“ fließen „reichlich“: Als Pfarrer taufe ich jedes Jahr 50-60 Kinder (selten auch Jugendliche und Erwachsene): Also ein reicher „Strom sakramentlichen Lebens“, der sich hier ergießt.
Andererseits: Die Zeiten sind vorbei, wo getauft zu werden bei uns selbstverständlich ist. 100 Jahre zurück – und es war in Österreich fast unausweichlich, in den ersten Lebenstagen getauft zu werden: ich selbst war sieben Tage alt. Aber heute – eigentlich ist das längst anders: Natürlich ist es für viele Familien selbstverständlich, die Taufe ihrer Kinder zu feiern. Für andere ist es durchaus ein Diskussionsthema – ohne eindeutig abzusehenden Ausgang. Zugleich gibts nicht wenige, auch selbst getaufte Eltern, die ihrerseits aus tiefer Überzeugung ein solches Sakrament für ihre Kinder ablehnen, zumindest für das Kleinkind.
Und ich sage dazu: Gott sei Dank! Ich halte es für eine gesunde Entwicklung und trauere vergangenen Zeiten, wo dies anders war, keinen Deut nach. Ich bin heilfroh, dass Automatik der Taufe oder gesellschaftlicher Druck dazu fast gänzlich weggefallen sind.
Natürlich wirkt sich dies auf kirchliche Statistiken nicht steigernd aus. Andererseits ist es ein ganz anderer Zugang, wenn Eltern ehrlich überlegen und in der Vielzahl von Möglichkeiten bewusst und frei den Schritt setzen, Gottes Segen mit ihren Kindern im Rahmen kirchlicher Gemeinde zu feiern – im Gegensatz zur gesellschaftlichen Automatik, dass „alle sowieso“ getauft werden.
Ich zweifle keinen Moment daran, dass es für Gottes Zuwendung völlig egal ist, ob jemand getauft ist oder nicht: Gott liebt jeden Menschen – unabhängig von menschlichen oder kirchlichen Ritualen, da kommt niemand deshalb „in die Hölle“. Gott braucht keine Taufe dazu – aber wir: Wir brauchen (so wie in jeder Partnerschaft oder Familie) Zeichen der Zuwendung, um Liebe nicht nur theoretisch zu wissen, sondern auch zur Lebensrealität werden und lebendig wachsen zu lassen.
„Tauf-Automatik“ verdunkelt den ursprünglichen Sinn.
Also: Ich bin heilfroh, getauft zu sein – verbindlich die Liebe Gottes zugesagt bekommen zu haben, sowie in die große Gemeinschaft unserer Kirche damit auch offiziell aufgenommen zu sein. Zugleich bin ich froh, dass bei uns heute keiner mehr getauft werden „muss“, sondern dies wieder mehr zum sinnvollen Ausdruck einer Beziehung geworden ist, statt unter gesellschaftlichem „Pflichtprogramm“ verkommen zu sein. Und sehr ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Sakramenten: Immer mehr geht der Trend, sie wenn, dann wirklich überlegt, bewusst und freiwillig zu feiern – das macht Sinn!
„Wasser des Lebens“: Ja – aber in wahrhaftiger Form als Ausdruck einer Liebesbeziehung zwischen Gott und uns: Dann macht es Sinn und eröffnet wirklich wahrhaftiges Leben!


(Mag. Gerald Gump, Wien)


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Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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