23. Februar: Berührung verändert


Kennen Sie Victor Noir? Er wurde 1848 geboren und arbeitete 1870 als Journalist in Paris, als er von Prinz Pierre Bonaparte, dem Neffen Napoleons des Dritten, ohne ersichtlichen Grund bei einem Besuch erschossen wurde. Er hatte sich mit dem Thronfolger getroffen, um Modalitäten eines Duells zu klären, das dem Prinzen mit einem Kollegen Noirs bevorstand, der ihn in einem Artikel angegriffen hatte. Diese Manifestation sinnloser Gewalt erschütterte Paris, und das Grab Noirs wurde zur Pilgerstätte. Der Berührung seiner Grabbüste wurde und wird heute noch von vielen Parisern heilende Kräfte zugeschrieben. Nennen wir es ruhig Aberglaube, doch der blankgeküsste und -geriebene Kopf der Bronzebüste kann für uns Zeichen einer entscheidenden Wirklichkeit unseres Lebens sein: Berührung verändert. Ein Lächeln, eine Hand, eine Umarmung, gute Worte, ein Blick, Verständnis wandeln die Situation, prägen die Beziehung zu meinem Gegenüber neu. Lassen Sie uns die Fastenzeit verstehen als 40 Tage, in denen wir eingeladen sind, uns neu von Gott berühren zu lassen und ihm zu begegnen. Gut, wenn wir die Zeit nutzen, um uns frei zu machen von dem ein oder anderen, was uns schon lange gefangen nimmt und daran hindert, wirklich so zu leben, wie wir es vor Gott und vor uns selbst möchten. Es geht dabei nicht um ‚Abtötung‘, wie man früher oft sagte, sondern im Gegenteil, um Verlebendigung. Wir machen uns frei von allem, was sich wie eine Sch(m)utzschicht auf uns gelegt hat als Gewohnheit, als Abhängigkeit, als Haltung, uns dabei einschließt und beengt. Auch der Umgang mit der Zeit ist ein ganz wichtiges Element unserer Lebensgestaltung: Vielleicht finden Sie Gelegenheit, sich ganz ausdrücklich jeden Tag ein bisschen Zeit für sich selbst, für einen lieben Menschen, der eigentlich immer zu kurz kommt, oder auch für Gott zu nehmen. Haben Sie keine Angst, es sei alles umsonst, denn nach der Fastenzeit könnten Sie es ja sowieso nicht durchhalten: Wie gesagt, Berührung verändert. Was Sie jetzt schenken und erfahren, behält seinen Wert, auch dann, wenn Sie es nicht immer so bewusst leben können sollten. Diese Fastenzeit soll nicht spurlos an Ihnen, mir und den Beziehungen, in denen wir leben, insbesondere der Beziehung zu Gott, vorbeigehen, sondern kleine Spuren der Auferstehung in unser Leben tragen.


(Ralf Hirsch, Leverkusen)


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Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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