21. Februar: Unsere heutigen Götzen


Wenn man in der Bibel blättert, gibt es manchmal schon recht eigentümlich klingende Weisungen: Von Götzen, denen geopfert wird (oder eben genau nicht geopfert werden darf) ist die Rede, vom goldenen Kalb und von einem „eifersüchtigen Gott“, der neben sich keine anderen duldet… Es sind doch recht antiquierte Fragen & Forderungen.

Und doch: Die Gegenwart lehrt uns, dass sehr Aktuelles berührt wird – wirklich!

Bis in höchste Regierungskreise ist es heute üblich, in die uralten Verhaltensmuster zu fallen, wenn auch unter anderem Etikett: Ratingagenturen müssen gnädig gestimmt werden – wieviel Anstrengung und Budget-Reform wird aufgewandt, um nur ja niemand zu verärgern und eines der drei „A“ ins Wackeln zu bringen. Aber nicht etwa, um soziale Gerechtigkeit zu verfolgen oder ärmsten zu helfen; nein: Ziel ist, „Standard & Poor’s“ nicht zu enttäuschen. Diesem Ziel wird (fast) alles untergeordnet – Hauptsache Zahlen und Wirtschaftsentwicklung stimmen.

Biblisch wurden massiv Menschenopfer kritisiert – auch das ist an der heutigen Realität gar nicht so sehr vorbei. Gespart muss natürlich bei der Masse werden – nur dort bringt’s was, nicht bei den Reichen. Dass ein Minus von € 20,- bei einer Mindestrentnerin nun mal ungleich mehr bedeuten als beim Sektions-Chef erinnert daran, dass es auch heute auf Kosten von Menschen geht. Und wenn es dann bei der Entwicklungshilfe reduziert wird, dann geht dieser Götzenkult wirklich und im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Aber natürlich: Man darf die Budgetzahlen nicht trüben, schließlich wacht „Moody’s“ mit Argusaugen.

Selbst der „Tanz um das Goldene Kalb“ ist genau betrachtet kein Relikt vergangener Zeiten: Wieviel „Tanz“ wird um Konjunkturzahlen gemacht, ihre Entwicklung zur höchsten politischen Handlungsmaxime gemacht. Und doch – auch hier eine Anleihe bei den alten Götzen – haben selbst die größten & schmerzhaftesten Opfer zumeist keine wirkliche Wirkung: Agenturen bleiben unberechenbar, machen, was sie wollen …

Keine Sorge: Ich weiß schon, dass die Wirtschaft unser aller Leben prägt – und möchte keinesfalls alles in diesem Bereich in Bausch und Bogen aburteilen. Auch kenne ich viele, die höchst verantwortungsvoll ihren Bereich des wirtschaftlichen Lebens gestalten. Und dennoch kann ich manchen Anklang an damalige Situationen nicht übersehen.

Dem gegenüber ist das erste der 10 Gebote sprechend: „Du sollst an einen Gott glauben, neben mir keine anderen Götter haben.“ Hier erlebe ich es als befreiende Zusage, wie auch als Auftrag, nichts an die Stelle Gottes zu setzen, keine Wirtschaftsdaten und auch sonst „unbedingte Notwendigkeiten“: An die Stelle eines Gottes, dem anzugehören und den zu verehren den Menschen nicht klein macht (wie nicht wenige Götzen anderer Natur), sondern aufrichtet & fürs Leben frei macht. Wenn anderes diese Stelle, um die sich alles dreht, einnimmt, dass geht’s schief …

Natürlich: All das kein Rezept für unser heutiges Handeln – und doch eine wichtige Grundlinie …


(Mag. Gerald Gump, Wien)


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Redaktion: Dr. Tobias Kanngießer


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