21. Dezember: Trösten


In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder Menschen kennen gelernt, denen es nicht gut geht: Asylsuchende und Fremde, die nach Heimat suchen, sie aber bei uns nicht wirklich finden, aber auch Einheimische, die ihre Sicherheit verloren haben – und sich im eigenen Land wie Fremde fühlen, abgehängt und ihrer alten Sicherheiten beraubt. Was ist zu tun? Die Situation lässt sich für die meisten nicht in kurzer Zeit verändern, die Sprachlosigkeit nicht aufheben. Die Bibel und der Advent geben uns eine Antwort: Die Menschen brauchen Trost! Wer etwas verloren hat, einen lieben Menschen, liebgewonnene Ankerpunkte, Heimat, der braucht Trost. Dieses Wort und die sich dahinter verbergende Wirklichkeit, scheint uns auch weit weg zu sein. Wir sagen „mein Mitgefühl!“ oder „Herzliches Beileid!“, wenn wir einem Menschen begegnen, der gerade seinen Angehörigen verloren hat und sind froh, wenn wir uns dann schnell aus dieser misslichen Lage wieder verabschieden können. Das tröstet aber nicht wirklich. Den anderen aussprechen lassen, von seinem Kummer erzählen lassen, das tröstet. Ihn in den Arm nehmen und Worte sprechen, die nach vorne zeigen und Horizonte eröffnen, das kann Balsam für eine verwundete Seele sein. Im Advent hören wir viele dieser tröstenden Worte: „Tröste, tröste mein Volk! (Jes 40, 1) und etwa: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt. O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm tröst' uns hier im Jammertal!“ Gott tröstet sein Volk Israel, das in der Verbannung lebt und berichtet von einer neuen Verheißung durch der Propheten Mund. Den Heimatlosen seines Volkes gibt er Zuversicht. In der Adventszeit ist dieser Trost auf den wiederkommenden Messias ausgerichtet. Christus wird wieder kommen, fürchtet euch nicht, erwartet ihn wachend und betend! So wie Gott uns und sein Volk Israel tröstet, so können wir auch einander trösten: jeden, der einen lieben Menschen verloren hat, seine Arbeit, seine Sicherheiten, seine Heimat, und ihm Wege weisen heraus aus dem „Jammertal“!
Trost führt zurück ins Leben – es ist keine Vertröstung, die zerbrechlich ist. Wenn ein Mensch dahinter steht, der tut, was er verspricht und dessen Worte ehrlich sind, dann tröstet das gewiss. Eine christliche Gemeinschaft: Kirchengemeinde, Verband oder Verein sollte eine „Trostgemeinschaft“ sein, deren Reden und Handeln geprägt ist von einem tiefen Vertrauen in Gott, der treu zu uns Menschen steht. In diesem Netzwerk können viele aufgerichtet werden, die zu zerbrechen drohen, weil liebe Menschen verstorben oder vermeintliche Sicherheiten zerplatzt sind, wie eine Seifenblase. Der Heimatlose wird dann eine neue Heimat finden, wenn unsere Trostgemeinschaft trägt.
„Tröste, tröste mein Volk!“, kann gelingen, wenn jede(r) von uns zum Tröster wird in der Gemeinschaft der großen Trostgemeinschaft Kirche.


(Originalbeitrag von Pfarrer Peter Jansen, Velbert)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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