19. Dezember: Heil


Sie haben die Wahl: Was würden Sie wählen? Heil oder Unheil? Vermutlich würden Sie antworten: „Was für eine törichte Frage. Wer wird schon Unheil wollen? Selbstverständlich wähle ich das Heil!“ Wirklich: das Heil?

Dem erstummten Priester Zacharias wird bei der Feier der Beschneidung seines Sohnes die Zunge gelöst, nachdem er auf ein Täfelchen geschrieben hatte: „Johannes ist sein Name“. Zacharias wurde daraufhin mit heiligem Geist erfüllt und begann zu weissagen. Über seinen Sohn Johannes sagte er: „Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten. Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden.“ (Lk 1, 76f)

Erfahrung des Heils – Vergebung der Sünden! Unheil wollen wir natürlich nicht. Wollen wir wirklich das Heil erfahren, das Heil in der Vergebung der Sünden erlangen, nicht irgendwann einmal, sondern es hier und jetzt, wirksam, befreiend und erlösend? Ist die Vergebung unserer Sünden für uns tatsächlich gewünschte, erfahrbare Erlösung? Oder ist für mich alles vollkommen belanglos: Unheil oder Heil? Mich nicht berührende Schlagworte, Worthülsen?

Auch wenn heute wiederholt behauptet wird, der Mensch bestimme selbst, was Sünde sei und was nicht, und wenn der Mensch den Mitmenschen um Vergebung bittet, dann vergebe Gott „automatisch“ die Sünde, dann muss ja wohl zunächst einmal gefragt werden, was denn Sünde überhaupt ist. Gott hat mich gewollt. Ja, sehr gut gewollt! Aber es kommt ja entscheidend darauf an, wie er mich und mein zu führendes Leben gedacht, geplant und mit Fähigkeiten ausgestattet hat, und wie er möchte, dass ich bin, denke, rede und handele. Nach diesem Plan Gottes mit mir und für mich gilt es zu suchen und diesem Plan in und mit meinem Leben zu entsprechen. Und je mehr ich ganz ehrlich darüber nachdenke, desto mehr stelle ich fest, dass ich mein Leben sehr oft nach selbstgestrickten, ja auch nach ausgesprochen nichtgöttlichen Wünschen und Plänen führe, dass es da zwischen beidem, seinen Plänen und Wünschen für mich und mit mir und meinem tatsächlich geführten Leben eine große, tiefe Kluft gibt: die von mir zu verantwortende Sünde.

Diese trennende, tiefe Kluft, die auch trennende Kluft zwischen Gott und mir ist, gilt es zu schließen, sie verschwinden zu lassen. Zunächst muss ich diese Kluft, die Sünde, ehrlich erkennen (wollen) und Gott um das Schließen dieser Kluft, die Vergebung der Sünden, ernsthaft bitten, bevor ich mich beschenken lassen kann: „Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden.“ (Lk 1, 77) Beschenken lassen!

„Du wirst sein Volk ... beschenken“. Gott wirkt durch Johannes den Täufer: Ja. Und jetzt wirkt er durch den sündenvergebenden Dienst der Kirche: Bußsakrament, Feier der Eucharistie und Krankensalbung. Sie sind nicht nur irgendwelche, verzichtbare Symbole, sondern sie sind heilige Zeichen, die tatsächlich das bewirken, was sie bezeichnen: Erfahrung des Heils in der Vergebung der Sünden.

Noch einmal: Sie haben die Wahl: Was würden Sie wählen? Heil oder Unheil? Entscheiden Sie, und lassen Sie Ihre Entscheidung nicht taten- und folgenlos im Raum stehen. Gehen Sie den nächsten Schritt: Gott möchte Sie beschenken.


(Originalbeitrag von Pfarrer i.R. Christoph Fr. Dziwisch, Stockelsdorf)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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