7. Dezember: Meinung


Richtig nervig ist es: Immer diese Fragerei, gleich ob per E-Mail, Fragebogen oder Telefon, nach meiner Meinung. Und dann diese Bauernfängerei: „Sagen Sie uns Ihre Meinung und Sie bekommen von uns ...“ Eine Meinung ist ja das Fürwahrhalten von etwas ohne eine ausreichende Begründung, also im Grunde genommen etwas recht Banales. In unserer heutigen Zeit mit der schier erschlagenden Überfülle von Informationsmöglichkeiten ist es ja „verrückt“, dass Meinung vor Kenntnis rangiert.

Mein Glaube darf nicht nur Meinung sein. Als bloße Meinung ist er keines Falles eine das Leben tragende Kraft, sondern er wird sehr schnell verpuffen, verdampfen und sich ins Nichts auflösen. Oft habe ich den Eindruck, dass gerade dieses Verpuffen des Glaubens vorsätzlich oder auch gutwillig unbewusst gefördert wird. In einem skandinavischen Kriminalfilm sah ich einen gerissenen, hinterhältigen, ja außerordentlich boshaften Täter, der sich am Endes des Filmes als Sohn Satans ausgab und das Ziel seines Tuns ganz klar formulierte: „Wir besiegen Gott, indem wir den Menschen den Glauben nehmen.“ Sicher, Gott zu besiegen, das wird nicht gelingen. Aber es kann gelingen, dass wir uns unseren Glauben nehmen lassen, dass wir ihn „verlieren“, dass wir ihn nicht nur fahrlässig beiseiteschieben, sondern ihn sogar vorsätzlich wie ein altes Papiertaschentuch in den Müll werfen.

Nur ist der Glaube absolut nicht etwas nebensächlich Gleichgültiges. Der Glaube betrifft mich, mich und mein ganzes Leben. Es geht nicht um irgendwen: Es geht um mich, um mich ganz persönlich. Wer bin ich? Was trägt mich? Was ist mit meiner Schuld und mit meiner Erlösung? Was ist mit meinem Tod und meinem Danach? Was ist mit meiner Auferstehung?

Mein Glaube ist nicht belanglos. Nur muss mein Glaube bestmöglich begründet sein und immer wieder neu begründet werden. Ohne immer neues, weiteres, tieferes Fragen, auch manchmal qualvolles Suchen, wird der Glaube sich nicht vertiefen, sondern langsam unmerklich erlahmen und durch die Lahmheit absterben. So brauchen wir auf unserer beständigen Suche immer wieder neu Menschen, die uns vom Glauben, auch von ihrem eigenen Glauben, ihren persönlichen Glaubenserfahrungen erzählen und berichten. Die Sonntagspredigt, mag sie auch noch so gut sein, kann das nicht leisten. So manches gute geistliche Buch kann eine tiefgreifende Hilfe sein.

Dennoch gilt auch die Mahnung zur Vorsicht: Die Gabe der Unterscheidung der Geister, der heiligen und der unheiligen, muss ich erlernen und pflegen. Gerade in den sozialen Medien kann ich leicht auf geistliches Glatteis geführt werden und ausrutschen. Es gilt sich vor Verwirrung und Verirrung zu wappnen.

Zu einem Glaubensleben, das mein Leben jetzt tragen, meinen eigenen Tod als Portal zum eigentlichen, wahren Leben verstehen, anzunehmen und vielleicht auch ersehnen kann, gehören letztlich drei entscheidende Dinge: Da ist zunächst einmal das Verstehen des Glaubens, soweit er verstehbar und begründbar sein kann. Dann ist aus diesem Erkannten und Verstandenen eine ganz persönliche Entscheidung abzuleiten und wirklich zu fällen. Aufgrund dieser mir von keinem anderen Menschen abnehmbaren Entscheidung ist dann meinem eigenen Leben eine neue, eindeutige und vielleicht auch gleichbleibend bestärkende Richtung zu geben.

Nicht eine Meinung ist wichtig. Wichtig sind die Erkenntnis, das Verstehen und die zu lebende Konsequenz.


(Originalbeitrag von Pfarrer i.R. Christoph Fr. Dziwisch, Stockelsdorf)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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