15. April: Rätschen


Als „Klappern" kannte ich es aus meiner Heimat. Und die „Klapper“, die auf unserem obersten Boden verwahrt wurde, stammte noch von unserem Großvater. Er war, wie auch unser Vater, damit als Ministrant mit anderen Messdienern, wie es damals noch hieß, in der Karwoche vor den Gottesdiensten durch die Straßen gegangen.
Holz statt Guss, Klappergeräusche statt Glocken. So gehört es noch heute zur ruhigeren Zeit, zur Einstimmung auf das Leiden und dann Auferstehen Christi, zur Karwoche. Wie der „oberste Boden“ im Schwäbischen „Bühne“ genannt wird – oder in bäuerlichen Häusern der „Speicher“ –, so ist es im Süddeutschen auch nicht das Klappern, das die Karwoche bestimmt, sondern das „Rätschen“.
Die Rätsche – auf Hochdeutsch wohl Ratsche – macht durch ihre jährlich einmalige Verwendung ein Zeichen zu einem Ritual: In dieser Zeit ist etwas besonders, diese Zeit hat spezielle Bedeutung.
Die Kirche ist, durch ihre Geschichte über die Jahrhunderte und zwei Jahrtausende, eine Meisterin der Symbolik und der Rituale. Und vieles, das sich heute im „profanen“ Alltag findet, das Menschen ersehnen und benötigen, war in den Generationen vor uns mit eindeutigen und für jedermann erkennbaren Ritualen besetzt. Sie bestimmten, regelten das Leben – stifteten dadurch aber auch Entlastung, verbanden das Alltägliche mit dem Heiligen und gaben Struktur und Sicherheit.
Das Geräusch der Klapper oder Rätsche kann, wie viele andere Gegenstände und Rituale aus den religiösen Traditionen, dafür sensibilisieren, was in unserem Leben ritualisiert ist. Was dadurch einen besonderen Stellenwert genießt. Und auch dafür, wer diese Zeichen und Gesten sichert und wie man sie bewahrt. Nirgends spürt man das Bewusstsein für Rituale dabei mehr als bei Kindern.


Aus: Thomas Hanstein, Das Heilige in allem hören. 40 Impulse zur Achtsamkeit, S. 137–138 © St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig. Internet: www.vivat-shop.at
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IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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