10. April: Suche


In einem Kriminalfilm fielen diese mich erschreckenden Worte, fast wie belanglos gesprochen: „Wir geben der Gesellschaft, wonach sie geifert, bis sie daran erstickt.“ Dieser Satz ist außerordentlich menschenverachtend, denn der Mensch soll ersticken, durch sich selbst ausgelöscht werden, weil er sich nach etwas für ihn nicht Gutes sehnt. Und wer ist es denn, der dem Menschen bewusst und vorsätzlich geben will, was dem Mensch schaden kann und soll und ihm sogar zur Vernichtung dient? Gott sicherlich nicht.

Der den Mensch sich selbst zerstören Wollende gibt seinem Tun den Anschein des vermeintlich vom Menschen ersehnten Vollkommenen, der Harmlosigkeit, der Freude und des Spaßes. Wer möchte heute schon „Spielverderber“ sein und das verhindern, wonach der Mensch geifert? Der gierige und gierende Mensch würde sofort, auf seine Autonomie pochend, gegen so eine bevormundende spaßverderbende Beeinträchtigung lautstark protestieren und blinden Auges noch schneller schwungvoll und hellauf begeistert ins eigene Verderben, den eigenen tödlichen Untergang, weiterlaufen, ja rennen.

Ich weiß gar nicht, weshalb ich diesen Zettel, der schon jahrelang in meiner Geldbörse steckt, nicht schon längst in den Mülleimer geworfen habe: „Das Negative zu sehen, bedeutet, es zu besiegen, denn das Böse ist auf Verleugnung und Verstellung angewiesen.“

„Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt. Der Mensch hat Leben und Tod vor sich; was er begehrt, wird im zuteil … Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht.“ (Sir 15, 16f.20)

Gott hat uns selbst in Freiheit berufen und so können wir wählen zwischen der Möglichkeit zu leben und der tödlichen Gefahr, zwischen Glück und Unglück, zwischen Leben und Tod, auch zwischen Leben und Tod über den leiblichen Tod hinaus. Wir sind von Gott in die Entscheidung, in die Verantwortung und in die Konsequenzen unserer Entscheidung gerufen. Wir haben es selbst in der Hand. Nun, was ist die Grundlage meiner bewussten und vielleicht auch meiner unbewussten Entscheidung?

Noch schärfer: will ich überhaupt auswählen und mich entscheiden? Wenn ich auswähle, dann verwerfe ich auch etwas, was ich nicht brauche, was mir Schaden zufügen kann und wird, was mich vielleicht sogar vernichtet. Was ist das in meinem Leben, meinem Denken und Handeln? Wovon muss ich mich trennen? Was muss ich, vielleicht auch unter Schmerzen, ergreifen und stärken, damit ich wirklich leben kann, jetzt und auch danach? Was suche ich? Suche ich die Wahrheit über mich, Gott und die Welt? Suche ich überhaupt?

Noch ein Denkansatz zur persönlichen Gewissenserforschung steckt in diesem Satz, den ich mir irgendwann einmal von irgendwoher aufgeschrieben habe: „Wer die Wahrheit sucht, darf nicht erschrecken, wenn er sie findet.“


(Originalbeitrag von Pfarrer i.R. Christoph Fr. Dziwisch, Stockelsdorf)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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