7. April: solidarisch


Vor einigen Wochen war ich zu Gast in der Benediktinerabtei Gerleve im Münsterland. In der Apsis der Kirche hängt seit einigen Jahren eine mittelalterliche Kreuzigungsgruppe aus Spanien: Maria und Johannes stehen unter dem Kreuz – solidarisch mit dem am Kreuz hängenden Jesus. Sie sind nicht geflohen – sie halten stand und ertragen den Schmerz, der sie umgibt. In vielen Kirchen gibt es solche Kreuzigungsgruppen: Maria, die Mutter Jesu ist da, wo ihr Sohn ist – im Leben, wie im Sterben, und Johannes, „der Lieblingsjünger“, vergisst alle Angst und folgt an den Ort, wo der Freund sein Leben aushaucht. Das ist „Mit-leid“ und Solidarität.

In meinen Augen stehen die Beiden nicht allein. Sie sind auch Sinnbild für die Vielen, die heute buchstäblich unter dem Kreuz stehen oder mit dem Gekreuzigten leiden: Menschen, die für ihren Glauben und ihr Bekenntnis zu Jesus Christus Nachteile erleben, verfolgt und geschlagen werden und qualvoll sterben müssen. Es sind die vergessenen Christen in Syrien, im Irak, in Nigeria, in Pakistan und an vielen anderen Orten der Welt. Eine veränderte politische Weltlage machte sie zu Opfern und Sündenböcken, obwohl sie immer schon als religiöse Minderheiten viel zu erdulden hatten. Im Irak und in Syrien sind sie die letzten Zeugen einer fast zweitausendjährigen Geschichte des Christentums.

Die verfolgten Christen unserer Tage nicht zu vergessen und ihnen beizustehen ist Aufgabe unserer Gemeinden und aller Christen. Manche leben heute mitten unter uns und haben eine furchtbare Geschichte der Flucht und Vertreibung hinter sich. Sie suchen bei uns Schutz und Verständnis. Andere brauchen unsere Solidarität und Hilfe – auch über Grenzen hinweg. Das Internet und das Smartphone bieten da heute viele Möglichkeiten. Den Christen in der Bedrängnis zu versichern, dass wir sie nicht vergessen, ist heute vielen Menschen möglich. Seit vielen Jahren halte ich Kontakt mit einer ganzen Reihe von Christen in Pakistan und weiß, dass wir das gegenseitige Gebet und den Austausch brauchen – es tut mir und ihnen gut.

Mit Maria und Johannes stehen aber auch Menschen aus unserem Umfeld unter dem Kreuz: kranke und sterbende Menschen, Menschen mit Kummer und Sorgen – auch sie tragen ein Kreuz und finden sich bei dem leidenden Christus wieder. Christus ist solidarisch mit ihnen. In Maria und Johannes finden sie Tröster und Mit-leidende.

Der Blick auf das Kreuz und die unter dem Kreuz stehenden, lässt mich innehalten, beten und Solidarität zeigen.



(Originalbeitrag von Pfarrer Peter Jansen, Velbert)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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