5. April: Vergessen


Meine Mutter lebt im Pflegeheim. Schon seit vielen Jahren ist sie dement. Sie erkennt niemanden mehr. Auch mich nicht. Es tut schon weh, vergessen zu werden – von der eigenen Mutter nicht mehr erkannt zu werden. Die Demenz ist wie eine undurchdringliche Wand, die uns trennt.
Eines Tages komme ich niedergeschlagen von einem Besuch bei meiner Mutter nach Hause ins Pfarrhaus. Als erstes treffe ich Karim, einen meiner syrischen Freunde. Er sieht mich besorgt an und fragt: „Bist du traurig, Abouna? Was ist los?“ (Meine syrischen Freunde nennen mich Abouna. Das ist Arabisch und bedeutet „unser Vater“.)
Ich erzähle ihm, wie es mir geht. Ich sage: „Meine Mutter hat vergessen, dass ich ihr Sohn bin.“
Darauf sieht er mir in die Augen und sagt: „Weißt du, wichtig ist nur, dass du nicht vergessen hast, dass sie deine Mutter ist!“
Der Satz trifft mich mitten ins Herz.
Barmherziger Gott, hilf mir, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Hilf mir, auch in dunklen Stunden deiner Liebe treu zu bleiben.


(Originalbeitrag von Pfarrer Franz Zeiger, Linz – St. Peter)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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