27. März: Klingeln lassen


Kennen Sie das: Sie haben ein Anliegen, gehen freundlich auf die Person zu, sie hat Ihnen vielleicht sogar schon zugelächelt. Und Ihnen damit signalisiert, dass sie Sie bereits wahrgenommen hat – und damit Ihr Anliegen.
Doch plötzlich klingelt das Telefon. Und was macht die Person, in deren Fokus Sie soeben noch standen? Dabei frage ich mich: Gibt es dies als Grundsatz in der Büroausbildung? Oder gilt es schlichtweg als selbstverständlich, dass einem Telefonanruf grundsätzlich die erste Priorität einzuräumen ist?
Vermutlich ist es schlicht und ergreifend die Gefahr, man könne glauben, nicht am Platz gewesen zu sein. Doch wenn man es genauer besieht, hat dieses spontane Wegdrehen des Kopfes und Zufassen zum Hörer auch eine Botschaft für den, der sich gerade eben noch – eigentlich – „an der Reihe“ glaubte. Ich denke, dass es sich schon lohnt, darüber nachzudenken, dass man oft ähnlich verfährt. Mitunter täglich.
Jüngst ließ ich es vier Mal nacheinander klingeln, weil ich gerade mit einem Mitarbeiter im Gespräch war. Nach dem ersten Klingeln schaute mich der Mann nur mit neutralem Blick an, doch bereits nach dem zweiten Schellen fragte er, ob ich „nicht rangehen“ wolle, es könne „doch wichtig sein“. Ich schmunzelte ihn an und sagte: „Der Anruf könnte ein Gespräch werden, das hier ist schon eins.“ Und führte unser Thema weiter aus.
Tage später bekam ich eine Rückmeldung von meinem Gesprächspartner: Zuerst habe er gemeint, dass ich ihm „was Schlimmes“ sagen müsse, nachher hatte er einfach nur das Gefühl, dass ich mir „besonders viel Zeit“ für ihn genommen hatte. Dieses Feedback war Bestärkung für mich, es weiter so zu hatten. Manchmal mit einem Blick vorab auf die Nummer, manchmal grundsätzlich.
Denn, wie sagte mir mal ein alter Kollege: „Wenn ich sitze, sitze ich. Wenn ich stehe, stehe ich. Erst wenn ich gehe, gehe ich.“ Und wie oft springt man im Alltag hin und her? Manchmal muss es sein, aber gewiss nicht ständig. – Die empfunden lange Zeit mit dem Mitarbeiter war übrigens keine fünf Minuten.


Aus: Thomas Hanstein, Das Heilige in allem hören. 40 Impulse zur Achtsamkeit, S. 89–90 © St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig. Internet: www.vivat-shop.at
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IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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