13. März: In der lebendigen Schöpfung


Die ganze Schöpfung ist durchdrungen vom Geist Gottes, von einer unbändigen Lebenskraft. Wenn wir im Frühling durch die Wiesen und Felder und Wälder wandern, dann strömt uns von überall Lebendigkeit entgegen. Diese Lebendigkeit, diese Lebenskraft, die die Natur zum Blühen bringt, ist auch in uns. Indem wir bewusst durch die Natur wandern, haben wir Anteil an dieser Lebenskraft. Wir spüren, dass wir nicht ausgebrannt oder innerlich vertrocknet sind. Dieses Leben, das wir um uns herum sehen, das regt sich auch in uns.
Die Sonne, die uns bescheint, bringt uns in Berührung mit der inneren Glut. Der Wind treibt alle Müdigkeit und alles Verstaubte aus uns heraus. Das Wasser des Flusses oder des Sees, an den wir uns setzen, wirkt heilend und belebend auf uns. Ich kenne viele Menschen, die das Sitzen an einem See erfrischt. Sie schauen auf die Stille des Wassers und kommen mit ihrer eigenen Seele in Berührung. Unser Wort Seele hängt ja seiner Herkunft nach mit dem Wort See zusammen. Menschen beobachten die Wellen und haben das Gefühl, dass sie alles Trübe in ihnen reinigen. Das Wasser wirkt beruhigend auf sie. Aber es birgt auch die Verheißung, dass da auch in ihnen ein Wasserstrom ist, der nie versiegt, weil er aus der Unendlichkeit Gottes kommt.
Die Natur bewertet auch nicht. Da darf ich einfach sein, wie ich bin. Und so kann ich ausruhen und mit meiner inneren Quelle in Berührung kommen. Wenn ich jedoch auf einer Bank am Waldrand sitze und dabei ständig nachgrüble, was ich alles verkehrt gemacht habe und warum ich in diesen schlimmen Zustand geraten bin, dann werde ich mich nicht erholen. Ich schneide mich selber von meiner inneren Quelle ab durch mein Bewerten und Beurteilen. Ich kann mich aber auch auf die Bank setzen und einfach die Natur genießen: den Wind spüren, der um mein Gesicht streicht und mich zärtlich streichelt, die Sonne fühlen, die mich bescheint. Dann fühle ich mich geborgen. Die Natur hat etwas Mütterliches. Ich fühle mich von der Mutter Natur getragen, geborgen und genährt.
Für viele ist es heilsam, sich in der Natur einfach ruhig niederzulassen und das Leben um sich herum zu genießen. Andere dagegen kommen mit ihrer Quelle in Berührung, wenn sie in der Natur wandern oder wenn sie bergsteigen. Dabei strengen sie sich an. Sie wandern lange, sie schwitzen beim Bergsteigen. Man könnte meinen, die Anstrengung würde sie eher erschöpfen. Aber es entsteht eine gute Müdigkeit, in der sie sich selbst spüren. Und in dieser Müdigkeit vergessen sie die innere Zerrissenheit, die das Kennzeichen eines Burnout ist. Sie spüren sich selbst. Und wenn sie sich selbst spüren, wenn sie sich im Leib spüren und die Müdigkeit genießen, dann fühlen sie sich trotz aller Müdigkeit innerlich erfrischt. Sie kommen in Berührung mit ihrer inneren Quelle.


Aus: Anselm Grün, hrsg. v. Rudolf Walter, Quellen der Kraft. Eigene Energien nutzen, S. 5759 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 2016. Internet: www.herdershop24.de
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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