11. März: Offen bleiben


„Es klingelt!“ Ein schönes Beispiel, um über die berühmten „vier Seiten einer Nachricht“ nachzudenken. Auch wenn dieser Satz beim Klingeln an der Tür von einem unserer Kinder gesagt wird, ist er wohl eher als Appell zu verstehen.
Man – Frage: wer? – muss schnell – Frage: warum? – zur Tür. Denn: „Da ist jemand!“ Da wir von der Architektur unseres Hauses her schnell sehen, wenn jemand auf Besuch kommt, und dann in der Regel schon jemand geht, um den Gast in Empfang zu nehmen, klingelt es bei uns relativ selten. Und wenn dieses Geräusch gelegentlich über Tage ausgeblieben ist, erschreckt man sich fast, wem es wieder ertönt: Wer kann das sein? Rechnet jemand mit jemandem?
An dem Umgang mit der Klingel lässt sich wohl auch die Kultur eines Hauses ablesen. „Bei uns steht doch die Tür immer offen, warum soll da denn wer klingeln?“ – Mit diesem Satz beschrieb eines unserer Kinder, wie es oft bei uns ist. Vermutlich kann man diese Feststellung auch im übertragenen Sinne deuten. Sicherlich stimmt der Satz: „Wer für alles offen ist, der ist nicht ,ganz dicht‘.“ Doch ebenso meine ich: Wer zu schnell dicht macht, verschließt sich nicht nur gegenüber anderen. Sondern nimmt vielleicht auch die Seiten in sich selbst nicht wahr, die es eben auch gibt – und die gelebt werden wollen. Angenommen und dafür offen bleibend. Manches klingelt dabei freilich nicht so deutlich, sondern klopft nur sachte an – außen wie auch innen.


Aus: Thomas Hanstein, Das Heilige in allem hören. 40 Impulse zur Achtsamkeit, S. 51 © St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig. Internet: www.vivat-shop.at
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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