8. März: Beten hilft immer!


Im Dezember war es. Wir waren mitten in der Planung für unser großes Weihnachtskonzert. Der österreichische Sänger und Entertainer Manuel Ortega, mit dem mich eine langjährige Freundschaft verbindet, hatte sich, wie schon in den Jahren zuvor, bereit erklärt, in unserer Kirche mit unseren syrischen Gästen ein Benefizkonzert zu geben.
Natürlich freuten wir uns schon ganz mächtig darauf und hatten im Vorfeld schon viel geprobt.
Die Einladungen waren verschickt, die Bewerbung war medial bereits angelaufen, da erreicht mich eine Hiobsbotschaft: Der Pianist fällt aus!
Was tun? Ich frage Manuel. Leider, so kurzfristig kann er niemanden finden. Verzweifelt telefoniere ich herum und frage alle möglichen Freundinnen und Freunde. Man verspricht, sich umzuhören, aber niemand kann mir so wirklich Hoffnung machen.
Die Sache bedrückt mich tief. Mir wird immer klarer, dass ich das Konzert wohl absagen muss. Dabei hatten wir uns schon alle so darauf gefreut. Die Kirche wäre wie immer beim Weihnachtskonzert berstend voll gewesen. Und mit den Spenden hätten wir eine Menge Gutes tun können.
Einige Tage darauf fahre ich mit Moutasem, einem meiner syrischen Freunde, in den Supermarkt um Einkäufe zu erledigen. Er sieht mir an, dass mich etwas bedrückt und fragt mich: „Was hast du, Abouna ?“ Meine syrischen Freunde nennen mich Abouna. Das ist Arabisch und bedeutet „unser Vater“.
„Ach weißt du“, seufze ich, „unser Pianist ist ausgefallen und so kurzfristig finde ich keinen Ersatz. Ich glaube, ich muss das Konzert absagen.“
„Nein, nicht absagen – beten musst du“, meint er daraufhin ganz gelassen und setzt gleich nach „komm, beten wir!“
Irgendwie komisch, dass ich mir das als Pfarrer sagen lassen muss, denke ich.
Und dann beten wir – wir beide. Während der Fahrt und dann auch noch eine Weile am Parkplatz des Supermarktes.
Danach gehen wir in den Supermarkt und erledigen den Einkauf. Als wir nach etwa 15 Minuten damit fertig sind piepst mein Handy. Ich habe eine SMS bekommen. Und ich traue meinen Augen kaum, als ich die Nachricht Moutasem vorlese. Ein Freund hat einen Pianisten gefunden. Und nicht nur irgendeinen Ersatz. Nein, ein Professor, der in Linz und am Salzburger Mozarteum unterrichtet, wird uns beim Konzert begleiten. Ich bin sprachlos.
Moutasem sieht mich an und sagt in einem Ton, als sei gerade das Allernormalste der Welt geschehen: „Siehst du, Abouna, ich hab‘s dir ja gesagt. Beten hilft immer!“


(Originalbeitrag von Pfarrer Franz Zeiger, Linz – St. Peter)


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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