4. März: Fahrrad und Kiesel


Warum haben wir ihn doch nicht pflastern lassen? Mit dieser Frage werde ich wach. Und freue mich gleichzeitig, dass wir den offenen Hof so belassen haben. Es ist der Zeitungsausträger, den ich über den zarten Schotter fahren höre: Wie ein behutsam anlaufender Mahlstein, so knirscht sein Reifen. Fast zärtlich hält er Kontakt mit dem Boden, rollt von Stein auf Stein und verlässt sie wieder. Viele Steinchen, die am frühen Morgen in Bewegung versetzt werden und gleich darauf wieder zur Ruhe kommen. Leicht verrückt am gleichen Platz. Jeder auf seine Geschwindigkeit. Auf Pflaster oder Asphalt würde ich ihn nicht hören. Keine morgendliche Störung, weil kein Geräusch. Doch es ist dieses Zarte, dieses Leichte, dieses Natürliche, das mich zum Schmunzeln bringt, früh im Bett. Und mich gleich darauf wieder wohlig einschlafen lässt. Nicht, weil ich weiß, dass die Zeitung auf mich wartet. Sondern weil mich die Bewegungen in der Natur geweckt haben. Kein Stein bleibt an seinem selben Platz. Kein Tag ist wie der andere. Natur ist Bewegung. Leben ist Veränderung.
Dies als zärtliche Morgenbotschaft zu vernehmen, gibt Mut und Lust, den Tag zu wagen. Egal, was die Zeitung an Neuigkeiten bringen wird. Egal, wie sehr die sanften Frühlingsstrahlen gegen die nachwirkende Kälte des Winters noch ankämpfen müssen.


Aus: Thomas Hanstein, Das Heilige in allem hören. 40 Impulse zur Achtsamkeit, S. 17 St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig. Internet: www.vivat-shop.at
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IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Wallenbergstraße 20, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos


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