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Fastenkalender der Pfarre Linz - St. Peter

5. April: Geschenkte Freiheit

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„Christ ist erstanden“ … „Verschwunden sind die Nebel all“. Ja, sind sie es denn wirklich? Kann man das so sagen angesichts von so viel Elend und Unrecht auf der Welt? Kann, soll, muss ich das wirklich glauben? Auch die ersten Jünger hatten ihre Fragen und ihre Zweifel. Auch wir dürfen uns unsere Fragen eingestehen; wir brauchen sie nicht zu verdrängen.
Trotzdem, dieser Glaube ist alles andere als absurd. Das Wunder der Auferstehung Jesu ist Gottes Antwort auf eine unauslöschlich in unsere Herzen eingebrannte Sehnsucht; sie entspricht einem Traum, noch mehr: einer Hoffnung von uns Menschen. Spüren und denken nicht auch wir manchmal: Es kann doch nicht immer so weitergehen. Es darf doch nicht wahr sein, dass am Ende immer diejenigen siegen, die die stärkeren Ellbogen haben. Es kann doch nicht wahr sein, dass am Ende immer die Gewalt, die Lüge und der Hass die Oberhand behalten. Der Tod und all die schrecklichen Todesmächte können doch nicht das letzte Wort sein. Könnten wir uns denn wirklich damit abfinden, dass am Ende alles, was wir in unserem Leben getan und erlitten haben, nichts war und dass unser Leben endet in einer Wüste des Nichts?
Gott hat all die bösen Mächte des Todes, des Hasses, der Gewalt, die das Leben bedrohen und bedrücken, bloßgestellt; er hat sie – entwaffnet, verspottet und blamiert. Er hat ein für alle Mal gezeigt, dass das Leben, die Gerechtigkeit und die Wahrheit das letzte Wort haben. Der Weg nach oben, der Weg zum Leben ist nicht länger verschlossen, blockiert und verbarrikadiert; er ist frei. „Schaut nicht nach unten, auf das Irdische, richtet euren Sinn und euer Streben nach oben!“
Frei sind nach Jesus nicht die Kleinmütigen, die aus Angst, zu kurz zu kommen, alles verzweifelt mitmachen und überall mitlaufen. Frei sind die Großmütigen, das heißt diejenigen, die den großen Mut und die Zivilcourage aufbringen, auch gegen den Strom zu schwimmen. Wirklich frei ist, wer nicht nur sich selber kennt und nicht egoistisch nur an sich selber hängt. Frei ist vielmehr, wer auch einmal über den eigenen Schatten springen kann und sich für andere einsetzt. Frei ist, wer die Augen und Ohren, den Kopf und das Herz frei hat für die Not, die Fragen und Anliegen der anderen und wer die Hände offen und frei hat, ihnen zu helfen. Frei ist, wer für eine große Sache, für das Leben, für die Freiheit und die Gerechtigkeit eintritt. Die Liebe ist die wahre Freiheit.
Jesus Christus, der uns in seiner Auferstehung vorausgegangen ist, befreit uns von einer verbissenen, hoffnungslosen Machermentalität. Er hat es für uns „gemacht“. Auf ihn dürfen wir uns verlassen. Zu ihm und durch ihn können wir beten, und wer betet, der weiß: Das Gebet erlöst von der Verzweiflung und von der Angst um unser Leben; es schenkt uns immer wieder neu Zuversicht, Hoffnung und inneren Frieden. Das Gebet gibt Mut und Kraft zum Leben. Mit Freimut beten und sein Herz vor Gott ausschütten dürfen, das ist ein Geschenk christlicher Freiheit.


Aus: Kardinal Walter Kasper, Wer glaubt, zittert nicht. Ermutigungen zum Leben, S. 152–153 © Copyright 1. Auflage 2009 by Verlag Herder GmbH, D-79104 Freiburg im Breisgau. Internet: www.herder.de
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos