Startseite

Fastenkalender der Pfarre Linz - St. Peter

4. April: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!

In Partnerschaft mit Amazon.de

Diese Botschaft ist einfach unfasslich und unglaublich. Unfasslich und unglaublich ist sie nicht erst für uns heute; sie war es schon damals vor fast 2000 Jahren. Nicht nur der Hohe Rat, auch die Jünger Jesu selbst schüttelten ungläubig ihre Köpfe.
Der gemarterte und gekreuzigte Jesus Christus, dessen Herz am Kreuz mit einer Lanze durchbohrt und der in ein frisch gehauenes Grab gelegt wurde, er lebt.
Er ist im Tod zu seinem und zu unserem Vater, zu seinem und zu unserem Gott gegangen, und er ist in verherrlichter, leibhaftiger Gestalt seinen Jüngern persönlich erschienen. Er hat sie ausgesandt, diese Botschaft vom Tod des Todes und vom Sieg des Lebens über den Tod aller Welt zu verkünden.
Diese Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi ist der Grund der Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung.
Das menschlich Unmögliche ist von Gott her möglich, ja wirklich geworden. Das Leben, nicht der Tod hat das letzte Wort erhalten; die Liebe hat über den Hass und die Gewalt den Sieg davongetragen.
Viele jedoch gleichen dem modernen Menschen, der eine Wüstenwanderung unternimmt. Die unbarmherzige Sonnenglut dörrt ihn aus; er ist ermüdet und ermattet. Da sieht er in einiger Entfernung eine Oase, die ihn retten könnte. Aber da er ein moderner, aufgeklärter, skeptisch gewordener Mensch ist, der sich nichts vormachen lässt, denkt er: Aha, eine Fata Morgana, eine Luftspiegelung, die in Wirklichkeit gar nichts ist. Er kommt der Oase näher und sieht immer deutlicher die Dattelpalmen, das Gras und vor allem die Quelle. Aber er denkt: Das ist eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt. Das sprudelnde Wasser hält er für eine Gehörhalluzination. So bleibt er im heißen Sand liegen und stirbt. Kurze Zeit später finden ihn zwei Beduinen tot daliegen. „Kannst du so etwas verstehen?“, fragt der eine den anderen. „Die Datteln wachsen ihm ja fast in den Mund, und dicht neben der Quelle liegt er verdurstet da. Wie ist das möglich?“ Der andere antwortet: „Der war halt ein moderner Mensch!“
Ostern ist die Alternative der Hoffnung zur verbreiteten Hoffnungslosigkeit und Lebensmüdigkeit unserer Zeit. An Ostern wurde das menschlich Unmögliche wahr und wirklich. An Ostern hat das Leben und hat die Hoffnung auf die Fülle und die Erfüllung des Lebens endgültig Recht bekommen.
Wer glaubt, darf das Leben wagen und selbst noch im Sterben auf das Leben setzen, weil Gott es mit uns wagt. Der Glaube ist es also, der die Angst überwindet; der Glaube ist es, welcher den Kleinmut, die Hoffnungslosigkeit, die Zaghaftigkeit und Verzagtheit, die Frustration und Resignation überwindet. Wer glaubt, der darf aus der Fülle des Lebens leben.
Die Auferstehung, auf die wir hoffen, beginnt schon heute. Sie beginnt dort, wo wir aufstehen aus unserem Egoismus und unserem oft bornierten Interessendenken, wo wir uns öffnen für die Gerechtigkeit und für die Liebe, wo wir der Vergebung und Versöhnung Raum geben. Sie beginnt dort, wo wir aufstehen aus dem Grab unserer Mutlosigkeit und Müdigkeit, unseres Missmuts und unserer Trägheit, um es neu mit dem Gott zu wagen, bei dem alles möglich ist. Die Auferstehung beginnt dort, wo wir im Heute nicht das suchen, was unten, sondern das, was droben ist.


Aus: Kardinal Walter Kasper, Wer glaubt, zittert nicht. Ermutigungen zum Leben, S. 154–155 © Copyright 1. Auflage 2009 by Verlag Herder GmbH, D-79104 Freiburg im Breisgau. Internet: www.herder.de
Sie können das verwendete Buch direkt über diesen Link bei Amazon bestellen. Sie unterstützen damit das Projekt "Virtueller Fastenkalender 2010". Vielen Dank!

IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos