1. Credo: gelitten, gekreuzigt, gestorben, begraben, auferstanden
Jedes einzelne Wort und Ereignis hat und behält seine Bedeutung, das Nachfolgende hebt das Vorherige nicht auf: der Tod nicht das Leiden, die Auferstehung nicht Kreuz und Grab.
2. Triduum Sacrum
Die Kirche feiert das Triduum Sacrum jedes Jahr aufs Neue: den Karfreitag gewiss im Wissen und im Blick auf Ostern, im Glauben an die erfolgte Auferstehung. Aber Ostern hebt den Karfreitag nicht auf, löscht ihn nicht aus, macht ihn weder ungeschehen noch überflüssig und bedeutungslos. Die Kirche durchlebt (und durchleidet) die Kreuzigung Jesu von der Verurteilung bis zur Grablegung. Dies alles war – und bleibt – Realität. Sie wird durch die Auferstehung zwar überboten, aber nicht eigentlich ausgeglichen, aufgehoben und ersetzt.
3. „Stat crux“
Das Kreuz bleibt bestehen. Der Auferstandene trägt die Wundmale, der Auferstandene ist der Gekreuzigte. Die Kirche hat das Kreuz nicht wie eine Durchgangsphase betrachtet, die nachher aus dem Blick gerät und einfach Vergangenheit ist, sondern das Kreuz in hohen Ehren gehalten und zum christlichen Erkennungszeichen erhoben. Obwohl die Kirche ihren Grund in Ostern (und Pfingsten) hat, ist doch Ostern nicht verstehbar ohne das Kreuz. Die Kirche bekennt sich zum Kreuz als ihrem Heilszeichen.
Das Kreuz wird an Ostern gerade nicht aus den Kirchen entfernt (bis zum nächsten Karfreitag, ähnlich der Weihnachtskrippe), sondern behält seinen Platz. Im „Streit um das Kruzifix“ (in den Schulen ...) hat es die Kirche entschieden verteidigt. Es gibt dafür keinen adäquaten Ersatz.
4. Trauer hat ihren Platz
Die Osterfreude bewirkt, dass sich die Trauer nicht verfestigt und endgültig setzt. Die Kirche lässt die Trauer zu; das andere wäre nicht wirklich menschlich. Auch Christen dürfen trauern, nur sollen sie sich dabei von denen unterscheiden, die keine Hoffnung damit verbinden (1 Thess 4,12). Umgekehrt hebt die christliche Hoffnung (auf ewiges Leben und Wiedersehen im Jenseits) den Schmerz und das Unbegreifliche der Trauer nicht auf. Selbst Jesus hat am Grab des Lazarus geweint (Joh 11).
Auch die christliche Begräbnisfeier, die von der Auferstehungshoffnung getragen ist, lässt Trauer und Tränen zu; es darf sie sehr wohl geben; man braucht sich ihrer nicht zu schämen.
Der „Trauergottesdienst“ für einen Verstorbenen ist nicht einfach ein „Auferstehungsgottesdienst“ mit Halleluja-Liedern. Dies würde die Trauernden emotional überfordern und wäre ihnen schwerlich zumutbar.
Wenn es nur mehr unbeschwerte Auferstehungshoffnung gibt, wäre dies eine unvertretbare Nivellierung, welche die Spannung von Leid und Freude einseitig aufzuheben versucht. Allerdings darf umgekehrt die Trauer die gläubige Hoffnung nicht verdrängen. Diese Spannung gilt es auszuhalten.
aus dem Nachlass von †Dr. Alfons Riedl, Linz
IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos