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Wie kamen die Menschen, die mit Jesus verbunden gewesen waren, zu der Überzeugung, er sei lebendig? Sie standen ja vor der brutalen Tatsache, dass Jesus getötet und begraben war. Und dann machten sie plötzlich die völlig überraschende Erfahrung, dass Jesus vor ihren Augen erschien. Sie hörten die Worte, die ihnen von Jesus zugesprochen wurden: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Ich lebe, und euer Leben wird weitergehen wie das meine.“
„Die Liebe Gottes begleitet euch weiter. Wie Gott mich liebt, so liebe ich euch.“
„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Worte, die sie früher gehört hatten, erschienen plötzlich in einem neuen Sinn. Neue Worte, die sie noch nie gehört hatten, wurden hörbar. Und die Erfahrungen machten aus müden, verzagten Menschen eine aktive, eine tätige, eine geisterfüllte Gemeinschaft.
Die Erfahrungen der ersten Christen mit dem auferstandenen Christus sind ein Grunddatum des christlichen Glaubens. Sind sie es nicht, und ist uns das Christentum nur eine Anleitung für das Leben auf dieser Erde, oder gar nur eine moralische Richtlinie für unser Tun, dann, so sagt Paulus, sind wir die Ärmsten, die betrogensten Menschen auf dieser Erde. Wir haben dann einen Glauben, der auf dieses enge Leben begrenzt und für dieses ungeeignet ist.
Wir müssen nur einmal verstanden haben, dass wir Menschen in einem Bereich leben, in dem sich sichtbare und unsichtbare Welt durchdringen. Und dass der Tod ein Durchgang ist von der einen in die andere.
Das können wir alle verstehen: Wir kommen irgendwoher. Wir kommen zur Welt. Wir leben. Wir sterben. Wir erwachen. Das können wir heute wieder verstehen: Es gibt in unserer Welt sehr viel, das sich uns entzieht. Was wir „Tod“ nennen, ist die Rückseite zu einer ganz anderen Art Leben. Eine dunkel und gefährlich scheinende. Und wir werden beim Übergang dort hinüber uns selbst und die Welt auf eine neue Weise zu Gesicht bekommen.
Wir sind nun einmal Wesen zwischen zwei Welten. Wir gehören nicht ganz in diese Welt und doch auch nicht in die andere. Es kommt darauf an, was wir glauben, wem wir vertrauen. Denn die Wände zwischen beiden Welten sind dünn. Es gibt aber im Leben ein Gesetz, dass, wenn eine Tür sich schließt, eine andere sich auftut. Wenn nun die Türen, durch die wir gegangen sind, sich schließen, eine nach der anderen, dann lösen sich die Wände auf vor unseren Augen, in denen sich die Türen gedreht haben. Die Welt wird größer, als sie jemals für uns gewesen ist, das Licht einer anderen Wirklichkeit liegt über ihr, und unser Weg fängt noch einmal an.
Aus: Hoffnungsvoll leben. Gedanken zu Passion und Ostern von Jörg Zink, hrsg. von Martin Schmeisser, S. 113–114 © 2010 Verlag am Eschbach der Schwabenverlag AG, Eschbach/Markgräflerland. Internet: www.verlag-am-eschbach.de
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos
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