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Fastenkalender der Pfarre Linz - St. Peter

25. März: Kleinod

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Nun hat die Möglichkeit einer Auszeichnung auch im Land der Wörter ihren Eintritt gemacht. Auch ein Wort hat ein Recht auf einen Oscar, einen Grammy. Seit einigen Jahren gibt es diese Gerechtigkeit. Es gibt das Wort des Jahres und auch das Unwort des Jahres, jenes Wort, das sich über seine Existenz zu schämen hat. Und seit Kurzem wurde noch ein Preis erfunden für jenes schöne Wort, das bedroht wird. Es wackelt am Rande des Abgrunds der Vergessenheit, droht abzustürzen und hat das doch gar nicht verdient, weil es ein schönes, ein liebevolles Wort ist. Ein solches Wort, das unseren Wörterschutz braucht, war im Jahr 2008 das Wort Kleinod.
Tatsächlich, es ist ein zierliches aber auch ein armes frierendes Wort. Dabei will es nichts Böses. Es will nur benennen, was uns leben lässt. Es will nur auf den Glanz der kleinen Dinge hinweisen, die in unserer großmauligen Welt, wo nur gilt, was groß geschrieben ist, keinen Ort finden.
Die Kleinodien dieser Welt:
Jenes Kleinod, zierlich, vom Goldschmied bearbeitet und vom Liebenden der Geliebten geschenkt.
Die Art, wie ein Kind sich schlafen legt, in der Gutenachtgeschichte des Vaters, der Mutter geborgen, geborgen im brummigen Schutz eines Teddybären.
Die Klänge des Gitarrenspielers auf der Straße, die sich nun an die Bäume heften und sich in die Zweige setzen wie Frühlingsblüten.
Die Worte der Liebenden füreinander, Sprache geteilt wie Brot.
Die behutsamen Erinnerungen alter Menschen, ihre zarten Bilder von damals, und ihr geduldiges Warten auf das Kommen der Enkelkinder.
Das Gebet des verrückten Eremiten im Wald, seine Visionen: Geschaut? Erfunden? Die Sehnsucht seiner Seele ist ein Brunnen in der Einöde.
Diese Kleinodien des Lebens: der Augenblick des Staunenden, der Wortschatz des Sprachlosen, das Hörensagen des Verstummten.
Sei vorsichtig mit diesen Kostbarkeiten. Sammle sie, behüte sie in deiner Schatzkammer des Lebens. Sie sind zerbrechlich, wie Kinderlachen.

Aus: Joop Roeland, Verlorene Wörter, S. 66–67 © Copyright 2009 by Wiener Dom-Verlag, A-1010 Wien. Internet: www.domverlag.at
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IMPRESSUM:
Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos