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Angenommen, Gott ließe uns – durch seinen Engel oder im Traum – mitteilen, dass wir noch genau einen Monat zu leben hätten und dann zu ihm kommen könnten. Wie würden wir die uns verbleibende Zeit wohl gestalten?
Vieles, was wir gestern noch als selbstverständlich empfunden haben, würde sich im Angesicht der Wahrheit plötzlich als fragwürdig erweisen. All das, was uns eben noch als so wichtig vorkam, würde nun in einem neuen Licht erscheinen. Die vorletzten und vorvorletzten Dinge verlören ihren Glanz in Anbetracht der letzten Werte. In einem heilsamen Erschrecken würden wir erkennen, wie wenig unser gelebtes Leben mit dem übereingestimmt hat, was wir immer als unsere Überzeugung ausgegeben haben.
Wollten wir nicht wenigstens die uns verbleibende Zeit ganz anders, endlich wesentlich gestalten? Wäre unser letzter Alltag nicht unwillkürlich geprägt von dem bevorstehenden Tag unserer wichtigsten Begegnung? Würde nicht unser ganzes Denken, Sprechen und Handeln die Wirklichkeit widerspiegeln, auf die wir zugingen?
Wie unwichtig wären mit einem Mal unsere materiellen und karrierebezogenen Träume, wie wichtig hingegen die letzte Chance, den Menschen, die wir lieben, wahrhaftig und offen zu begegnen! Hätten wir ihnen nicht noch so viel zu sagen? –
Ja, wir hätten, wir würden und wir wären – ganz sicherlich! Aber warum muss Gott nach seinem Sohn, allen Aposteln und Propheten uns auch noch – ganz privat – seinen Engel senden, damit wir ernst nehmen, was wir wissen und bekennen? Muss Gott uns erst im Traum begegnen, damit wir endlich aufhören zu träumen?
Worauf leben wir als Christinnen und Christen denn zu, wenn nicht auf unsere Begegnung mit Christus? Wieso sprechen wir so überzeugt und gläubig von den „letzten Dingen“, wenn wir uns persönlich viel lieber an die „vorvorletzten“ Werte halten? Oder müssen wir tatsächlich erst dem Tod ins Auge sehen, bis wir verstehen, dass wir – auch wir! – nur zeitlich begrenzt auf dieser Erde sind?
Aus: Hans-Joachim Eckstein, Du liebst mich, also bin ich. S. 115–116 © Copyright 2001 by SCM Hänssler im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, D-71088 Holzgerlingen, 15. Auflage 2009. Internet: www.scm-haenssler.de
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos
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