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Fastenkalender der Pfarre Linz - St. Peter

8. März: Lass mich deinen Willen tun

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Verleihe mir, Herr,
deine Gnadenfülle in meiner Armut.
Gib mir deine Weisheit,
deine Güte, dein Lächeln.

Lass mich deinen Willen tun,
deinen Heiligen gleich im Himmel:
in Schatten und Licht,
bei Tag und bei Nacht,
am Anfang und an Ende.


aus einem irischen Gebet (10. Jh.)


Wer von uns möchte schon arm genannt werden oder gar arm sein? Schließlich haben wir doch etwas gelernt, damit unser Leben gelingen kann. Haben wir wirklich etwas gelernt, das Richtige gelernt?
„Verleihe mir, Herr, deine Gnadenfülle in meiner Armut.“ Hier geht es nicht um die materielle und pekuniäre Armut. Ich fühle mich an die Seligpreisung erinnert „Selig, die arm sind vor Gott (Mt, 53a). Vor ihm sind wir immer arm und bedürftig, ganz gleich ob wir in den Augen der Welt arm oder reich sind. Das Entscheidende kann die Welt nicht geben, sondern nur Gott selbst. In dieser Armut treten wir im Bittgebet vor ihn hin. Entscheidend ist, um was wir eigentlich in unserer Armut bitten.
„Gib mir deine Weisheit, deine Güte, dein Lächeln.“ Viele Zeitgenossen sonnen sich im Wahn, sie seien weise, weil sie über ein großes Wissen verfügen und akademische Grade und Titel vorweisen können. Lassen wir sie in ihrem Wahn, denn sie sind nicht weise.
Weise ist derjenige, der um die letzten Gründe und Ziele dieser Welt und der eigenen weiß. Es gilt aufgrund vernünftiger Überlegungen, alles im Lichte und mit den Augen Gottes zu sehen und zu beurteilen, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und das eigene, das kirchliche und das öffentliche Leben zu gestalten. Als fruchtbar erweist sich die Weisheit, indem sie alle Dinge ordnet und ihnen den zu Recht zukommenden Platz und Schwerpunkt zuweist. Die tiefste und letzte Weisheit kann man sich nicht selbst erarbeiten oder erwerben, sondern sie wird dem Menschen von Gott durch den Heiligen Geist geschenkt.
Es gilt nun, seine Armut vor Gott überhaupt erst einmal einzugestehen und die Sehnsucht nach wahrer geistgeschenkter Weisheit wach zu halten. Das geht aber nicht, indem wir nur die Hände falten und abwarten, bis die Weisheit von irgendwoher irgendwann einmal daherkommt. Nein, das ist ein ganz aktiver Prozess, auf dem viele kleine und manchmal auch große Schritte notwendig sind.

Es ist notwendig,
~ sich mit der Welt zu beschäftigen,
~ das Wort Gottes zu kennen,
~ dieses Wort immer wieder neu zu bedenken,
~ dieses Wort in sich aufzunehmen, wirken zu lassen,
~ den Heiligen Geist um Weisheit zu bitten und
~ immer wieder neu und ehrlich versuchen, sich selbst, die Welt und auch die Kirche mit den Augen Gottes zu sehen.

Dann können wir vielleicht Vieles neu erkennen, neu bewerten und richtig im Gesamt der göttlichen Schöpfung einordnen, denn wir werden erkennen: Nicht ich bin wichtig, sondern nur Gott ist wichtig. Vielleicht werden wir doch ein klein wenig weise.

Originalbeitrag von Pfarrer i.R. Christoph Fr. Dziwisch, Stockelsdorf


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos