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Die Botschaft des Evangeliums ist heute so aktuell wie je zuvor. Sie ist gerade für uns heute das eine Notwendige. In den letzten Jahren haben wir die Fassaden unserer traditionsreichen Städte und Dörfer erneuert; auch die meisten unserer alten Kirchen wurden mit viel Geld renoviert. Doch haben wir auch den Geist erneuert, aus dem heraus unsere Kirchen und Kulturdenkmäler entstanden sind? Es war der Geist christlichen Glaubens. Sind wir heute nicht in Gefahr, über unserem Wohlstand die Seele unserer Kultur und unsere eigene Seele zu verlieren? Es geht uns ähnlich wie den Menschen beim Turmbau zu Babel: Nichts scheint unerreichbar (Gen 11,6), fast alles machbar zu sein. Aber machbar wozu? Stimmt die Richtung? Haben wir überhaupt eine Richtung?
Wenn wir nicht nur überleben, sondern wirklich menschlich leben wollen, dann brauchen wir nicht nur saubere Luft und grüne Bäume – sosehr wir dies brauchen. Auch unsere Seele will gesund atmen. Menschlich leben können wir nur, wenn wir uns in Liebe an die Wahrheit halten.
Die Wahrheit, das bedeutet nicht nur: wahre Sätze. Die Wahrheit ist die wahre Wirklichkeit, auf die man bauen und der man im Leben wie im Sterben trauen kann. Die Wahrheit unseres Lebens ist Gottes unverbrüchliche Treue, sein rückhaltloses Ja zu jedem Einzelnen von uns und zu uns allen als seinem Volk. Dieses Ja hat Gott in Jesus Christus ein für alle Mal gesprochen. Er ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Er ist Schlüssel, Mittelpunkt und Ziel der ganzen Menschheitsgeschichte, das Alpha und Omega (Offb 1,8). Er ist das Heil der Welt, er allein. Er, Jesus Christus, sei daher unser Programm, er unser Anführer im Glauben (Hebr 12,2).
Das Evangelium ohne Zusätze, aber auch ohne Abstriche ist das wichtigste Kapital, welches wir in die Zukunft einbringen können. Denn die Wahrheit macht frei (Joh 8,32) von rasch wechselnden Stimmungen und Moden. Sie gibt unserem Leben Halt und Inhalt. Sie begründet Hoffnung.
Man wird fragen: Wie machen wir das? Eine Antwort des Apostels lautet: „Die Wahrheit in Liebe tun“ (Eph 4,15). Denn die Wahrheit Jesu Christi will getan werden (Joh 3,21). Gottes Wort ist Fleisch geworden, und es will bleibend konkret „verortet“ sein im Fleisch unserer Welt: in unseren Familien, am Arbeitsplatz, in unserer Freizeit. Jesus Christus begegnet uns konkret in den Kranken und Behinderten, den Armen und Notleidenden. Nicht zuletzt ist er wirksam gegenwärtig in der Kirche. Sie ist sein Leib, der in Liebe aufgebaut wird (Eph 4,16). Sie ist das Haus der Wahrheit, Gottes Zeichen in der Welt.
Was wäre aus dem Evangelium geworden ohne Kirche, welche die biblischen Schriften aufbewahrt, gesammelt und weiter überliefert hat bis in unsere Gegenwart? Ist also nicht die Kirche unsere wahre Mutter im Glauben? Wo begegnet uns Jesus Christus intensiver als in der Feier der Eucharistie?
Doch wer zur Kirche nicht Ja sagt, der hat auch zu Jesus Christus, der ihr Haupt und Herr ist, nicht voll Ja gesagt. Es geht – wie der große Theologe und Bischof Augustinus sagt – um den ganzen Christus, um Jesus Christus als Haupt und um Jesus Christus in seinen Gliedern. Diese Kirche sind wir alle.
Aus: Kardinal Walter Kasper, Wer glaubt, zittert nicht. Ermutigungen zum Leben, S. 56–57 © Copyright 1. Auflage 2009 by Verlag Herder GmbH, D-79104 Freiburg im Breisgau. Internet: www.herder.de
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos
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