Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Empfanget den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben; wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten.“ (Joh 20, 21b-23)
Man kann es nicht leugnen und verschweigen: Unsere Kirchen werden leerer. Oft sieht man fast nur ältere Menschen in den Gottesdiensten. Die Kirchenaustritte mehren sich erheblich. Kirchen werden geschlossen und sogar abgerissen. Die Lösung und das Heil werden in Großraumpfarreien und pastoralen Räumen gesucht.
Wenn man nach den Gründen fragt, so wird sehr schnell auf sehr leidvolle, Verwirrung stiftende Streitigkeiten innerhalb der Kirche verwiesen, die verbunden werden mit den Stichworten konservativ, neoliberal, altgläubig, konzilstreu, konzilsablehnend usw. Ersparen wir uns Namen. So mancher Mensch hat dann noch diesen oder jenen Skandal vor Augen, der innerhalb der Kirche geschehen und zu verantworten ist; Skandale, die zu Recht angeprangert werden.
Aber das ist eigentlich nicht das Entscheidende, sondern nur die Oberfläche einer viel tiefer liegenden Krankheit in der christlichen Gesellschaft. Diese später wie ein Krebsgeschwür wuchernde Krankheit beginnt ganz unscheinbar, kaum wahrnehmbar in den einzelnen Christen und weitet sich dann aus auf die Kirche insgesamt. Aber entscheidend ist immer der Einzelne; entscheidend bin ich. Und so muss die Ursache und der Beginn des tiefer sitzenden Übels auch in mir ganz konkret gesucht werden.
Worte, die ein Mensch auf dem Sterbebett spricht haben einen besonderen Aussage- und Erinnerungswert. So auch die Abschiedsworte Jesu an seine Jünger vor seiner Himmelfahrt.
Der himmlische Vater hat Jesus gesandt, damit er wiederum seine Jünger aussendet. Und Ziel dieser Sendung ist die Vergebung der Sünden und so den Menschen Anteil am ewigen Leben zu geben. Ja, das überschreitet die Kompetenz der Jünger und der Menschen, denn hier handelt es sich um göttliche Kompetenz und ein göttliches Tun.
So ist die Voraussetzung, damit die Jünger ihren Auftrag zum Heil der Menschen und zum Heil der Welt erfüllen können, der Empfang des Hl. Geistes. Das Problem liegt nicht im Sendenden oder in den Gesandten. Der eigentliche Knackpunkt liegt bei uns, und hier kommen wir ganz persönlich ins Spiel und müssen ehrliche Antworten suchen:
~ Will ich überhaupt von meinen Sünden befreit werden?
~ Sehe ich den Balken in meinem Auge? Will ich ihn sehen?
~ Was tue ich, um mich in meiner Sündhaftigkeit selbst zu erkennen?
~ Woher nehme ich meine moralischen Maßstäbe?
~ Glaube ich an die Vergebung der Sünden?
~ Wann war ich das letzte Mal zur Beichte?
~ Glaube ich an das Leben nach dem Tod?
~ Will ich überhaupt an diesem Leben teilhaben oder bin ich mit den Vordergründigkeiten der sichtbaren Welt zufrieden?
~ Bemühe ich mich um dieses Leben in der jetzt für uns noch unsichtbaren Welt?
~ Und wenn ja: wie bemühe ich mich darum? Lasch, lau und träge oder konzentriert, intensiv und vorrangig?
Originalbeitrag von Pfarrer i.R. Christoph Fr. Dziwisch, Stockelsdorf
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Redaktion: Paul M. Delavos