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Fastenkalender der Pfarre Linz - St. Peter

27. Februar: Gnade

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Dieses Wort ist uns zwar bekannt, aber kein wesentlicher Teil des modernen Sprachschatzes mehr. Ein Wort wie Profitmaximierung ist geläufiger. Aber nun ist dieses Wort seit Kurzem wieder im Wiener „Bermuda-Dreieck“ Umgangssprache geworden, wenn auch in negativer Verwendung. Hier wurde unter dem wenig einladenden Namen „Gnadenlos“ ein Ensemble von vier Kellerbars eröffnet.
Das Wort Gnade macht Menschen heute ratlos. Dabei ist es doch ein zartes Wort, das die Umarmung Gottes andeutet. Irische Glaubensboten haben es eingeführt als Übersetzung für das kirchenlateinische gratia.
Sie nutzten ein altes Wort, das eine andere, weltliche Bedeutung hatte: sich neigen. „Die sunne gie zu gnaden“ ist eine mittelhochdeutsche Redensart: Die Sonne neigt sich.
Gnade: ein zartes Wort voller Erbarmen. Zu mir kommt öfters einer, der bescheidenste aller Menschen, die ich kenne. Er will nichts anderes als einen Segen. Dann, nach den heiligen Worten, lacht er glücklich. Als ein Mensch „im Zustand der Gnade“. Die Bar Gnadenlos wird er wohl nicht besuchen.

Aus: Joop Roeland, Verlorene Wörter, S. 43 © Copyright 2009 by Wiener Dom-Verlag, A-1010 Wien. Internet: www.domverlag.at
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos