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Fastenkalender der Pfarre Linz - St. Peter

26. Februar: Weniger ist oft mehr!

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Vor etlichen Jahren wirkte das Wort „Fasten“ ziemlich antiquiert. Heute erlebt es eine erstaunliche Renaissance, wie ein Blick in die Welt der Werbung beweist. Zahlreiche Unternehmen haben die Fastenzeit als eine Zeit entdeckt, in der man mit Gesundheit und Wellness beim Konsumenten punktet. Das ist ja grundsätzlich einmal nicht schlecht. Unsere figürliche Verfasstheit sollte allerdings nicht das einzige sein, dem wir in diesen Tagen vermehrt unser Augenmerk schenken. Wir dürfen schon ein wenig tiefer gehen. In unserer schnelllebigen und oft so lauten Welt kann die Fastenzeit zu einer Oase werden, wo wir Ruhe und Halt finden können.
Weniger ist ja tatsächlich oft mehr, auch wenn man's nicht immer gleich begreift. Etwas weniger bedeutet manchmal auch auf etwas verzichten – etwas aufgeben – etwas hergeben – etwas geben. Und Geben bedeutet ja nicht vorrangig etwas zu verlieren, sondern vielmehr jemanden damit reicher zu machen, vielleicht letztendlich auch mich selber.
Dazu habe ich vor einiger Zeit folgende Geschichte von Hans Christian Andersen gehört:
„Ihr hättet mich früher sehen sollen“, erzählte die alte Teekanne. „Damals war ich noch ganz – mit Deckel, Henkel und mit dem eleganten geschwungenen Ausguss! Er machte mich zur Königin auf dem Tisch. Was waren denn im Gegensatz zu mir die Tassen, die Zuckerdose und die Löffel? Und ich gebe zu: Ich habe sie das auch spüren lassen. Dann passierte es. Eines Tages ließ mich jemand versehentlich fallen. Seitdem sehe ich so aus wie jetzt.
Da lag ich nun halb ohnmächtig! Und das Gelächter der Teller und Tassen höre ich noch heute. Ich wurde weggestellt und schließlich einer Bettlerin mitgeben. Die machte dann das Furchtbarste, was man einer Teekanne antun kann: Sie füllte mich mit Dreck! Stellt euch vor: Dreck, wo einmal die edelsten Teesorten eingelegt waren!
Dann legte sie in diese Erde eine Blumenzwiebel. Ich spürte, wie sie wuchs. Sie wurde mein neues, lebendiges Herz – statt meines bisherigen stolzen Herzen aus Stein. Weil sie so schön war, kamen wir aufs Fensterbrett. Und alle, die vorübergingen, schauten auf die Blüte – nicht auf mich. Aber ich wusste, wie wichtig ich war: ich hielt die Feuchtigkeit und gab ihren Wurzeln Halt.
Ich muss euch sagen, ich war noch nie im Leben so zufrieden wie damals, als ich ganz für diese Blume da war – als ich mich ganz für diese Blume vergaß. Das wollte ich euch sagen!“
Die Teekanne musste ihren vornehmen Lebensstil aufgeben um zu wissen, wie wichtig sie war. Mit Dreck glaubte sie gefüllt zu sein bis sie merkte, dass es fruchtbare Erde war, die Voraussetzung für alles Wachstum. Und als sie in sich hineinhörte, spürte sie plötzlich die Blumenzwiebel als lebendiges Herz in ihr, das schließlich zu einer wunderbaren Blume wurde.

Originalbeitrag von Pfarrer Franz Zeiger, Linz


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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos