Es ist für so manchen Bauherren in unseren alten Städten oft zum Verzweifeln. Kaum beginnen die Bauarbeiten, da kommen die Archäologen mit Schäufelchen und Pinsel daher und legen die Baustelle für unbekannte Zeit still. Und wenn sie einen alten Brunnen gefunden haben, dann jubeln und frohlocken sie, denn der Unrat im Brunnen ist sehr aufschlussreich für die Geschichte und wird sorgfältig weg- und aufgeräumt, bis der Grund des Brunnens deutlich und sauber vor ihnen liegt.
So ein Brunnen ist jeder Mensch. Da gibt es in diesem Brunnen viel Unrat, der viel über die Geschichte des Menschen berichten kann, aber den Grund mit dem klaren Wasser oft nicht zugänglich macht.
Viele Menschen geben sich mit diesem Unrat zufrieden und lassen ihn dort, wo er ist. Nur das klare Wasser des Brunnens in sich selbst finden sie nicht. So können sie dieses klare Wasser nicht genießen und auch nicht daraus Kraft und Leben schöpfen.
Tief in unserem Inneren ist Gott selbst in uns gegenwärtig. Es wird noch deutlicher: Er ist in mir gegenwärtig. Und so muss ich mich wie ein Archäologe auf den Weg und auf die Suche machen, um Gott in mir zu entdecken. Er ist da und will in mir gefunden werden.
Und diese Gegenwart Gottes in mir hat erhebliche Auswirkungen. Sie ist letztlich der Grund meiner Würde, denn er wohnt in mir. Aber er ist nicht nur in mir, sondern er lebt auch in den anderen Menschen und begegnet mir auch in den anderen Menschen. Auch sie sind nach seinem Bilde geschaffen, und auch in ihnen wohnt er.
So kann und muss ich ihn auch im anderen Menschen sehen. Im Mitmenschen kommt er selbst auf mich zu, um auch durch den Mitmenschen bei mir zu sein. Welche eine große Würde hat Gott uns Menschen gegeben. Und wenn sich diese mit göttlicher Würde geschmückten Menschen zur großen Danksagungsfeier, der Eucharistie, versammeln, dann ist er mitten unter ihnen und in ihnen. Und seine Gegenwart wird noch überhöht in den in Leib und Blut verwandelten Gestalten von Brot und Wein. Durch sein Leib und Blut verbindet der Herr uns noch tiefer und noch enger miteinander. Welch ein Grund zur Freude und zum Jubel!
Originalbeitrag von Pfarrer i.R. Christoph Fr. Dziwisch, Stockelsdorf
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Redaktion: Paul M. Delavos