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Manchmal haben wir den Eindruck, dass die Wellen über uns zusammenschlagen und dass wir keinen festen Grund mehr unter den Füßen haben.
Das sind Erfahrungen, die keinem Menschen und vor allem keinem Christen erspart bleiben. Gegenwind, das sagt uns das Evangelium an vielen Stellen, gehört unausweichlich zur christlichen Existenz.
Seien wir also nicht überrascht oder gar bestürzt, wenn Gegenwind aufkommt und uns kalt ins Gesicht bläst. Dürfen wir denn erwarten, dass es uns, den Jüngern und Freunden Jesu, besser geht als ihm? Dürfen wir uns denn einbilden, dass wir es besser könnten als unser Meister, der menschlich betrachtet am Kreuz gescheitert ist, in Wirklichkeit aber gesiegt hat?
Das Evangelium vom Sturm auf dem See gibt eine Antwort. Es ist eine ungewöhnliche und erstaunliche Antwort. Die verängstigten Jünger reagieren auf die Gefahr nicht dadurch, dass sie sich in eine arbeitswütige, hektische Aktion des Wasserschöpfens stürzen. Was sollen sie dadurch schon mit ihrer schwachen Kraft und ihren begrenzten Mitteln gegen die gigantischen Wogen ausrichten? Sie versuchen ihre Haut aber auch nicht dadurch zu retten, dass sie leichtsinnig möglichst viel wirklichen und vermeintlichen Ballast über Bord gehen lassen. Durch solche Erleichterung würde das Boot jedes Eigengewicht verlieren, und es wäre dann den Wogen erst recht hilflos ausgeliefert. Nur durch einen tiefen Kiel und durch Eigengewicht, das nicht an der Oberfläche liegt, sondern in der Tiefe fest vertäut ist, hat ein Schiff Aussicht, einen Sturm zu bestehen.
Die verängstigten Jünger rufen, ja schreien zum Herrn. Nur er und er allein kann ihnen in ihrer Not helfen. Auf ihn trauen und bauen sie deshalb. Denn er ist es, dem sogar Wind und See gehorchen. Er, der von Ewigkeit her ist, in ihm und auf ihn hin ist alles geschaffen; er hat durch seinen Tod und seine Auferstehung alle Mächte des Bösen und des Todes besiegt; er ist der Herr und das Haupt seiner Kirche. Er lenkt und er leitet sie, und er ist bleibend mit ihr. Er ist es, der im Boot unseres Lebens mitfährt.
Rufen, beten wir zu ihm! Beten wir viel, regelmäßig und inständig! Der Seesturm in uns selbst wird sich dann legen, und es wird auch bei uns eine große Stille eintreten.
Wir brauchen Menschen, die aus dieser Stille und aus ihrem Glauben heraus keine Angst haben; die die Wogen und Wellen des Egoismus besiegen und die andere trösten, wenn es stürmt; die aus der Freundschaft mit Jesus Christus heraus Freunde anderer sind und Freundschaft, Frieden und Versöhnung stiften. Wir brauchen Menschen, die in der Nacht der Zeit wachen und beten, die Ausschau halten nach den Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes und den Menschen Gottes heilende Gegenwart durch Wort und Tat bezeugen.
Aus: Kardinal Walter Kasper, Wer glaubt, zittert nicht. Ermutigungen zum Leben, S. 78–79 © Copyright 1. Auflage 2009 by Verlag Herder GmbH, D-79104 Freiburg im Breisgau. Internet: www.herder.de
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Inhaber und Herausgeber: Pfarre Linz - St. Peter, Tungassingerstraße 23a, 4020 Linz
Redaktion: Paul M. Delavos
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