Du aber salbe deinen Kopf, wenn du fastest, wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im verborgenen ist, wird es dir vergelten. (Mt 6, 17)
Klar, mit Asche auf dem Haupt und einem Büßergewand läuft heute niemand mehr herum und eine gute Körperpflege, die auf Hygiene achtet und auf mein „outfit“ bedacht ist, sollte auch mehr oder weniger üblich sein. Was also will Jesus uns darüber hinaus sagen?
„Du siehst aber schlecht aus, was ist mit dir los?“, sagen uns Menschen, wenn wir krank sind, oder uns etwas seelisch belastet; wenn man äußerlich sieht, was mit einem innerlich los ist. Sorgen, Angst, Schmerzen und Krankheit, kann man den Menschen auch äußerlich ansehen. Sie verändern mein Auftreten in der Öffentlichkeit. Umkehr, Fastenvorsätze, persönliches Maßhalten sind aber keine Krankheit und kein Leid, sondern meine Entscheidung im Angesicht Gottes und in den Spuren Jesu auf Ostern zu.
Das hat nichts mit Bedrückung zu tun, ganz im Gegenteil – mit Befreiung: Fastenzeit als eine Zeit der Freude und Neubesinnung.
Anders als die Adventszeit, haben wir für die Fastenzeit wenig Traditionen, die das vorösterliche, die Freude auf Ostern vermitteln. Es gibt wenig häusliche Bräuche und keine schönen Lieder, die uns das Besondere dieser Zeit vermitteln. Die vorgegebenen Kirchenlieder der Fastenzeit sind überwiegend schrecklich und motivieren wenig. Was können wir trotzdem tun, damit diese Zeit, eine Zeit der Gnade ist?
Wir dürfen für uns selbst kreativ werden, erfinderisch sein in dem, was uns auch äußerlich gut tut: zunehmend können wir den Frühling in unsere Wohnungen holen, frisches Grün, Tulpen oder Osterglocken auf den Esstisch bringen. Was spricht gegen eine Kerze, so lange es abends noch früh dunkel wird, helle bunte Tischdecken und schöne Musik, die uns munter macht und heiter stimmt. Das können wir, je mehr wir auf Ostern zugehen, steigern! Aus manchen Klöstern kenne ich die Tradition, dass jeder Mönch, oder jede Schwester, ein Buch aufgetragen bekommt über die 40 Tage zu lesen. Ich finde, das ist eine schöne Idee!
Mit Kindern kann man frühzeitig und nicht erst am Karsamstag überlegen, was für Ostern gebastelt und vorbereitet werden kann: Eier ausblasen und bemalen, Hühner und Hasen basteln aus Tonpapier, Siegesfähnchen für das Osterlamm und manches andere.
Wo Rituale zu spärlich ausgebildet sind, müssen wir gute Neue entwickeln, damit die Fastenzeit eine Zeit wird, auf die wir uns freuen. Es geht um nicht weniger, als um die Vorbereitung auf Ostern – den Urgrund unseres Christseins. Da brauchen wir keine Büßermiene und schlechte Laune, sondern Neubesinnung auf die Freude über unseren Glauben. Denn die Freude an Gott (und an Jesus Christus, unserem Herrn) ist unsere Kraft. Machen wir was draus!
Originalbeitrag von Pfarrer Peter Jansen, Velbert
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Redaktion: Paul M. Delavos